Im Jahr 1972 erschien Peter Handkes Roman "Wunschloses Unglück" über das Leben seiner Mutter, der ein Ausbruch aus der provinziellen Enge und Ärmlichkeit nicht gelungen war. Das Buch wurde zum Auftakt für ein neues Erzählen, und das Neue bezog sich dabei vor allem auf die soziale Perspektive, also das Interesse an Figuren und Milieus, die stets nur in kurzen Phasen als literaturfähig gelten.

Franz Innerhofer, geboren am 2. Mai 1944 in Krimml, hat wiederholt darauf hingewiesen, dass ihm dieses Buch Mut gemacht habe zu literarischen Verarbeitungen seines eigenen Herkunftsraums im Salzburger Pinzgau. Als "Schöne Tage" 1974 erschien, wurde das Buch als Beispiel eines literarischen Realismus gewürdigt, vor Ort und in konservativen Kreisen natürlich auch verteufelt.

Ob begeistert oder empört, die Literarizität des Buches hat die Zeitgenossen kaum interessiert. Sie lasen die Lebensgeschichte von Innerhofers Alter Ego Franz Holl als eine Art autobiografische Sozialreportage und nicht als fiktionale Verarbeitung von Wirklichkeit. Holl durchlebt als illegitimer Sohn des Bauern eine lieblose Kindheit am väterlichen Hof und kämpft sich in den beiden Folgebänden "Schattseite" (1975) und "Die großen Wörter" (1977) über eine Schmiedelehre und die Arbeiterabendschule bis an die Salzburger Universität durch.

Rasch war für diese Art von Literatur das bis heute gängige Label "Anti-Heimat-Literatur" gefunden - und das war verhängnisvoll. Der Begriff gibt letztlich dem schnulzigen Bauernidyll von Waggerls Erzählung "Fröhliche Armut" recht, denn er unterstellt jenen, die nach der Realität der Heimatbedingungen, also ihren politischen, ökonomischen und mentalen Implikationen fragen, "gegen" die Heimat zu sein, die sie mit der Entbergung der Verlogenheiten des Heimatkitsches doch gerade bewohnbar zu machen versuchen.

Auch Holl denkt, schon Berufsschüler, über das Wort "Heimat" nach, das ihn "kitzelt", weil es ihm nicht gehört, aber doch gehören sollte; es sei doch "kein dummes", sondern "ein wichtiges Wort, in dem man sich zu Hause fühlen kann. Heimat ist ein Wort, sagte ich mir, in dem sich alle zu Hause fühlen können."

Innerhofers Romane gehen weder in der Bewältigung der eigenen Lebensgeschichte noch in der Darstellung mittlerweile historischer Alltagserfahrungen auf, vielmehr vermessen sie gesellschaftspolitische Entwicklungen, auch solche, die damals erst allmählich begannen. Etwa die Auflösungsprozesse der Bauernkultur. Holl nutzt die Technologisierung der Landwirtschaft und wird rasch zum "perfektesten Traktorfahrer", was ihm das erste Mal ein Gefühl von Kompetenz verschafft und einen Hauch von väterlicher Anerkennung.