Alba stammt aus einem Schweizer "Kaff", in dem es außer einer zum Suizid einladenden Hochbrücke nichts Erwähnenswertes gibt. Es sind die späten 1980er und frühen 1990er Jahre, die Schweizer Jugend kämpft mit sich ausbreitender Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Drogensucht und für mehr persönliche Freiheit. Und die junge, rebellische Alba, die Ich-Erzählerin in De-
mian Lienhards Debütroman "Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat", ist ganz Kind ihrer Zeit.

Nach dem Suizid ihres Stiefvaters Victor, ihres "Lieblingsukrainers", wuchs "der Efeu" in ihrem Kopf. Auch wenn es noch die guten Dinge wie Softeis oder Schifffahren oder ihren Papagei "Mister Wochentag" gab - die Ranken waren bald überall. "Und dann braucht es nur noch einen Tag, der so richtig scheiße ist", und Albas Absturz - ein wahrer Höllentrip - beginnt.

Der Schweizer Demian Lienhard, Jahrgang 1987 und promovierter Archäologe, hat eine Funken sprühend originelle, von rebellischem Geist und schwarzem Humor durchdrungene Sprache für seine eigentlich traurige Coming-of-Age-Geschichte gefunden. Wer kann einem Mädchen schon widerstehen, das seinen Freund folgendermaßen beschreibt? "Jack kann sich mehr Zitronensaft in die Augen spritzen als jeder andere, den ich kenne. Jack sammelt die Flusen aus seinem Bauchnabel und bewahrt sie nach Farben getrennt in kleinen Weckgläsern auf."

Ein großartiger Roman voller Charakterköpfe, die wundervoll spleenig beschrieben werden. Unbedingte Leseempfehlung!