Fortschritt entsteht durch ein Wertebewusstsein. Dabei spielt ein positives Menschenbild eine wichtige Rolle. "Wenn wir Menschen behandeln wie sie (scheinbar) sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie so behandeln, wie sie sein sollten, so machen wir sie zu dem, was sie werden können". (Goethe)

In ihrem mehr als lesenswerten Buch legt die renommierte Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann die Richtlinien für eine wohlverstandene "digitale Ethik" in Theorie und Praxis auf allen Ebenen unserer immer stärker digital vernetzten Welt vor. Jenseits aller Kontroll- und Überwachungsprogramme totalitärer Herrschaftsansprüche und jenseits aller "transhumanistischer Designerphantasmen" als "Ideologien der Lieblosigkeit" stellt die Autorin stets den Menschen in den Mittelpunkt - und nicht die Maschinen. Ein möglicher aus dem Ruder gelaufener Digitalisierungsprozess, wo am Ende die Maschinen die Menschheit beherrschen würden, dürfe nicht Wirklichkeit werden.

Wenn wir dazu bereit wären, darauf zu verzichten, Roboter und Künstliche Intelligenzen allein für uns denken zu lassen, dann bestünden gute Chancen, diese menschengerechte Vision digitaler Ethik mit Leben zu erfüllen. Dafür ist es notwendig, uns von der wirtschaftlichen Rationalität des Handelns abzuwenden - hin zu einem wertebezogenen, empathieerfüllten Leben und Tun. Der Weg dorthin ist stets eine Gratwanderung, aber er lohnt sich, um den "Terminator"-Endzeitvisionen klare ethische Normen entgegenzusetzen.