Seine Stimme war sein Zauber - und sein Kapital: Joseph Schmidt, der altösterreichische Tenor aus der Bukowina (1904-1942), hat die Konzertbühnen Europas und Amerikas erobert - und die Damenwelt betört. Dann kamen die Nazis, und für den jüdischen Sänger, der bis in die frühen 1930er Jahre als "deutscher Caruso" bejubelt wurde, fiel der Vorhang. Vergeblich blieb sein Versuch, die Mutter zur Flucht zu bewegen; der Vater war bereits Jahre zuvor verstorben. Joseph Schmidt machte sich allein auf den Weg. Es wurde eine Odyssee, die in der Schweiz, dem vermeintlich gelobten Land, endete.

Das Leben ist ein Roman, der Schweizer Schriftsteller Lukas Hartmann griff nach dem Stoff: "Der Sänger" erzählt die Geschichte von Joseph Schmidts Wegen in sichere Gefilde, von seiner Internierung als Asylant, seinem Ringen um Würde und Legalität: "Die Prominenz verfliegt rasch (. . .), wenn sie nicht mehr genehm ist." Die langen Zeiten des Wartens wecken Erinnerungen: an die Czernowitzer Kindheit ("Wurzelgrund seiner Existenz"), an die Frauen, die Karriere, die Macht der Musik.

Schmidts großer Traum: wieder auftreten zu können. . . Lukas Hartmann würdigt den Künstler in einem fein nuancierten, bewegenden Roman über Kultur und Barbarei.