Wien. Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur geht heuer an den französischen Autor Michel Houellebecq (63). Das gab Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) am Mittwoch bekannt. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung findet am 26. Juli im Solitär der Universität Mozarteum Salzburg statt.

"Er schreibt klar, kompromisslos und präzise über Themen, die unsere europäische Gesellschaft bewegen und wesentlich verändern: von politischem Radikalismus und Terror über Biotechnologie bis hin zum Traum vom ewigen Leben. Houellebecq ist ein Schriftsteller, der niemanden kalt lässt, ein Romancier, der uns bewegt und zur Auseinandersetzung zwingt", gratuliert der Kulturminister.

Gefeiert und umstritten

Als "Schöpfer eines höchst eigenwilligen literarischen Werks" wird der französische Autor Michel Houellebecq heuer mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet. Laut Jurybegründung ist der 63-Jährige "eine der einflussreichsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur." Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Preises findet am 26. Juli in Salzburg statt.

"Seine Texte verraten ein besonderes Sensorium für Fragen von gesellschaftlicher Sprengkraft, wobei er den Konjunkturen des Feuilletons stets vorausgeeilt ist - ob es um die moderne Arbeitsrealität geht, die Möglichkeiten und Gefahren der Gentechnik, die Erscheinungsformen des religiösen Fanatismus, die Kehrseite der sogenannten sexuellen Revolution (ein Monopolkapitalismus des Sex) oder den Verfall des ländlichen Raumes", so die Jury. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) gratulierte dem Autor: "Er schreibt klar, kompromisslos und präzise über Themen, die unsere europäische Gesellschaft bewegen und wesentlich verändern: von politischem Radikalismus und Terror über Biotechnologie bis hin zum Traum vom ewigen Leben. Houellebecq ist ein Schriftsteller, der niemanden kalt lässt, ein Romancier, der uns bewegt und zur Auseinandersetzung zwingt."

Der Radikalste von allen

Houellebecq gehört zu den prominentesten und gleichzeitig umstrittensten Schriftstellern unserer Zeit. Um die "political correctness" kümmert er sich dabei wenig - wozu er auch steht. Er sei der Radikalste von allen, sagte er einmal in einem Interview. Schockieren ist Teil seiner ästhetischen - und seiner PR-Strategie. In dem 2001 erschienenen Buch "Plattform" brachte er Feministinnen und Gegner der Prostitution auf die Barrikaden, weil er seinen sexuell frustrierten Protagonisten nach Thailand schickte und den Sextourismus feierte. Einige hingegen erwählten ihn zum Visionär. Denn Houellebecq lässt das Buch mit einem Anschlag auf ein Feriendorf enden. Die Fiktion wurde von der Wirklichkeit eingeholt, als ein Jahr später bei einem islamistisch motivierten Bombenanschlag auf Bali mehr als 200 Menschen ums Leben kamen.