Der von Flüchen, Verunsicherung und zunehmender Panik begleiteten Serie von Missgeschicken, die Erich passieren, stellt Uhrmann eine Zufallsbegegnung entgegen, die vielleicht zum rettenden Glücksfall und zur Wärmespenderin für den armen Frierenden werden könnte. Vielleicht aber auch nicht, denn die Frau, die frühmorgens an die Tür klopft, und Erich bittet, ihr beim Suchen ihres Hundes behilflich zu sein, wirkt nicht sexy, sondern seltsam. Daniela heißt sie, und ihr gehört der Saurierpark. Oder, vielmehr, er gehört ihrem Onkel Toko - der zufällig nicht nur so heißt, wie der verschwundene Hund, sondern ebenfalls nicht auffindbar ist. Auf Reisen sei er, sagt Daniela, als Erich sie nach ihm fragt. Aber wo er gerade sei, das wisse sie nicht.

Auch als Leser weiß man nie ganz genau, wo man sich eigentlich befindet, und dadurch bleibt nicht nur die zart keimende Beziehung zwischen Daniela und Erich spannend. Uhrmann webt ein in Raum und Zeit weit ausgreifendes Geflecht an Erzählsträngen, das sich keinem Genre eindeutig zuordnen lässt. Mal scheint die Geschichte ins Gruselige zu kippen, wie bei Stephen King, dann bringt eine Szene wie von Buster Keaton die Sache wieder ins Lot; auch mondäner Glanz à la Françoise Sagan dringt von der Côte d’Azur bis nach Irrlitz.

Sebald statt Crichton

Und dann, im Jahr 1968, rempelt - sic - Jean-Paul Sartre himself in Paris einen jungen Mann an, und setzt eine atemberaubende Kette von Kausalitäten in Gang, die Jahrzehnte später in Erichs Leben eine entscheidende Rolle spielen werden - und mit deren virtuoser Beschreibung Uhrmann an den souveränen Stil von W.G. Sebald erinnert.

Nur an Michael Crichtons "Dinopark" erinnert - außer Namen wie Apatosaurus, Brontosaurus, Camarasaurus, Säbelzahntiger und Triceratops - nichts. Statt Saurier zu reanimieren, beschreibt Uhrmann Menschen, die an Hybris leiden, an Handys gekettet sind, und sich zuweilen vor einer Verwandlung in "Mister Hyde" fürchten. Und er erweckt in seiner gewitzten und klugen Erzählung einige Exemplare dieser auf den Hund gekommenen und eifrig am eigenen Untergang arbeitenden Spezies (auf sympathische Weise) wieder zu humanem Leben.