An den 18 Texten des Partisanenbuches hatte Parin gearbeitet, nachdem er 1990 im Alter von 74 Jahren seine psychoanalytische Tätigkeit in Zürich niedergelegt hatte. "Es ist Krieg und wir gehen hin" war Parins größter literarischer Erfolg. 1992 wurde ihm dafür der Erich-Fried-Preis verliehen, 1994 wurde der Titel in der Reihe "Rowohlt Jahrhundert" als Taschenbuch herausgebracht. Eine Neuauflage im Rahmen der Parin-Werkausgabe erscheint im Frühjahr 2020.

"Paul war ein begnadeter Geschichtenerzähler", erinnert sich Herausgeber Michael Reichmayr an gemeinsame Abende, die bis tief in die Nacht mit Erinnerungen aus einem Leben gefüllt waren, das nach heutigen Maßstäben alle Grenzen sprengt. "Er hatte ein fotografisches Gedächtnis, wusste noch im hohen Alter, welches Gewand die Leute in bestimmten Situationen anhatten."

Erzählkunst

In den Genuss seiner Erzählkunst kamen die vielen Freunde, die Paul und Goldy Parin in ihrer Wohnung in Zürich regelmäßig besuchten. Fritz Morgenthaler war bereits 1984 verstorben, Goldy Matthey starb 1997 - und Johannes Reichmayr organisierte bald von Wien aus für Paul Parin einen "Abendservice": Bis zu seinem Tod kamen jeden Abend Freunde, um für den alten, erblindenden Mann zu kochen, mit ihm gemeinsam zu essen und bis spätnachts zu diskutieren und in Erinnerungen zu schwelgen. Der Rauch von filterlosen französischen Zigaretten lag in der Luft, in der Küche sammelten sich die leeren Rotweinflaschen. Der 2007 für ARTE gedrehte Dokumentarfilm "Der Rauch der Träume" gibt Zeugnis von dieser Phase.

Seine ausgeprägte Beobachtungsgabe schärfte Paul Parin als Sohn eines altösterreichischen Gutsbesitzers in Polzela (heute Slowenien) bereits als kleines Kind: Aufgrund einer Hüftluxation verbrachte er zwei Jahre im Gipskorsett, aus dem er erst im Alter von fünf Jahren befreit wurde. In dieser zur Reglosigkeit verdammten Zeit sog er alle Vorgänge in seiner Umgebung auf und entwickelte jene feinen Antennen, die ihm später als Arzt, Psychologe und Autor gute Dienste erweisen sollten.

1980 trat er mit dem Erzählband "Untrügliche Zeichen von Veränderung" erstmals literarisch in Erscheinung. Im Buch über seine Kindheit und Jugend in der slowenischen Untersteiermark erzählt er, wie nationalistische, faschistische und kommunistische Ideen Risse in die überkommene ständische Gesellschaftsordnung der Zwischenkriegszeit trieben.

Verstörendes Jagdbuch

In insgesamt acht Büchern verarbeitete Parin bis 2003 seine Lebenserinnerungen zwischen Europa und Afrika, politischem Engagement und Psychoanalyse auf literarische Weise. Das letzte Buch, "Die Jagd - Licence for Sex and Crime", wirkt in seiner schonungslosen Offenheit verstörend: Parin schildert darin unter anderem, wie er als 13-Jähriger einen Samenerguss hat, als er einen Haselhahn schießt, und wie für ihn in der Folge Jagd, Mordlust und sexuelle Erregung stets zusammengehörten. Aber auch päderastische Phantasien und Erinnerungen finden sich in dem Buch.