Schon in der Kindheit entwarf er Lebensläufe für Unbekannte, die kurz seinen Weg kreuzten, Geschichten, die seine Mutter Lügen nannte. "Hör auf zu lügen" lautet nun der Titel des autobiografischen Romans von Phillippe Besson, den die Zeitschrift "Elle" als "Brokeback Mountain auf Französisch" bezeichnete. Ein berührendes Liebesdrama über die Liebe zweier Jungen aus der französischen Provinz in den 1980er Jahren.

Als der 1967 geborene Schriftsteller Philippe in einer Hotellobby ein Interview zu seinem letzten Roman gibt und einen jungen Mann sieht, der seiner Jugendliebe Thomas verblüffend ähnelt, beginnt sein Blick zurück.

Er erfährt, was aus Thomas wurde, nachdem er, Philippe, nach Paris gegangen war; er erinnert sich an ihre Jugend in der geistigen Enge, an die gesellschaftlichen Schranken zwischen ihnen, den Kampf um ihre Identität. Und er denkt an seine Gefühle für Thomas, der, als gutaussehender Winzersohn von Mädchen umschwärmt, nicht wie er (als hochbegabter Sohn des Schuldirektors ohnehin ein Außenseiter) aus der Provinz floh, sondern der Tradition verpflichtet in der Charente, nördlich von Bordeaux, blieb.

Für den erfolgreichen Schriftsteller Philippe Besson, der seine eigene Homosexualität in Paris auslebte, ging später keine Liebe mehr so tief wie diese erste. Ergreifend.