Der Literaturpreis Man Booker International geht in diesem Jahr erstmals an eine Schriftstellerin, die auf Arabisch schreibt. Jokha Alharthi aus Oman gewann den Preis am Dienstagabend für ihren Roman "Celestial Bodies" (Himmelskörper) über die Lebensgeschichte von drei Schwestern in ihrem Heimatland, die in der Liebe verschiedene Wege gegangen sind.

Das Preisgeld von 50.000 Pfund (etwa 57.000 Euro) teilt sich Alharthi mit ihrer Übersetzerin Marilyn Booth. Fünf der sechs Romane in der engsten Auswahl wurden heuer von Frauen geschrieben.

Der Man-Booker-Preis International zählt zu den bedeutenden Literaturpreisen Großbritanniens. Er wird für ins Englische übersetzte Werke vergeben. Im Vorjahr hatte ihn die polnische Autorin Olga Tokarczuk gewonnen. Mit dem noch bekannteren Man-Booker-Preis wird dagegen jedes Jahr ein in englischer Sprache erschienener Roman ausgezeichnet.

"Buch gewinnt Kopf und Herz"

In Alharthis Buch geht es um die Erinnerungen von drei Schwestern an Familienbande und Schicksale, verknüpft mit der postkolonialen Geschichte des Landes auf der arabischen Halbinsel. Alharthis Werk sei kunstvoll und befasse sich mit "tiefgreifenden Fragen von Zeit und Sterblichkeit sowie verstörenden Aspekten unserer gemeinsamen Geschichte", urteilte die Jury. "Ein Buch, das Kopf und Herz gleichermaßen gewinnt und es wert ist, darüber zu verweilen."

"Ich wollte das Leben so darstellen, dass junge Omaner etwas damit anfangen können, und auch ein Bild des Oman im 21. Jahrhundert zeichnen, vor allem für diejenigen, die diesen Teil der Welt nicht so gut kennen", sagte Alharthi in einem Interview mit den Veranstaltern. "Omaner laden andere Menschen durch ihr Schreiben ein, mit offenem Geist und Herz auf den Oman zu schauen. Egal, wo man ist, Liebe, Verlust, Freundschaft, Schmerz und Hoffnung sind überall die gleichen Gefühle."

Alharthi hatte in Schottland klassische arabische Literatur studiert und das Studium dort 2010 mit einem Doktortitel abgeschlossen, wie sie auf ihrer Webseite schreibt. Sie lehrt demnach heute an einer Universität in ihrem Heimatland. Seit 2001 hat sie Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht, von denen nach ihren Angaben einige in Übersetzungen in europäischen Literaturmagazinen veröffentlicht wurden.