Ornithologen werden mit diesem Buch auch keine Freude haben, denn eine aus dem Ruder laufende Metapher gibt immer Anlass für Missverständnisse. Und metaphorische Vögel tummeln sich zuhauf im Roman "Ein Beitrag zur Geschichte der Freude" der tschechischen Autorin Radka Denemarková.

Ausgangspunkt des Buches ist ein ungeheurer Missstand, nämlich die meist ungesühnten Verbrechen an Frauen in Kriegen. Vergewaltigungen gehören seit jeher zur psychologischen Kriegsführung, wurden aber lange nicht als Kriegsverbrechen anerkannt.

Diesem Übel wollen in Denemarkovás Roman die drei "Schwalben"-Frauen Diana, Erika und Birgit einen Riegel vorschieben, indem sie Vergewaltiger, die ihnen bekannt werden, systematisch verfolgen und unauffällig ermorden.

Dazu haben sie in Prag ein Haus gemietet, von wo aus sie weltweit die Aktivitäten ihres Rachenetzwerkes steuern. Auf die Spur kommt ihnen ein Ermittler - namenlos wie fast alle Männerfiguren in diesem Buch -, der den Selbstmord eines Geschäftsmannes hellsichtig nicht als solchen einstuft.

So weit, so gut. Warum die "Geschichte der Freude" kein Pageturner geworden ist wie Haruki Murakamis "1Q84", der ein ähnliches Thema bedient, liegt vor allem an der Sprache und der überbordenden Vogelmetaphorik: Von der Schwalbe über den Adler bis hin zu Bachstelze und Neuntöter müssen die gefiederten Freunde für jede denkbare Charakterzuschreibung herhalten. Dazu gesellen sich eine Betrachtungsweise, die auf körperliche und seelische Äußerungen fixiert ist, und ein hoher Erzählton.

Auf den ersten Seiten hat man noch die Hoffnung, hier mit einer prononciert weiblichen Erzählweise konfrontiert zu sein, die irgendwann federleicht wird. Aber zu viel ist einfach zu viel, und etliche Passagen driften ins Pathetische ab. Leider vor allem jene, die aufrichtige Liebe als Gegengift zur sexuellen Gewalt beschreiben. Zurück bleibt ein zerrupfter Eindruck.