Eigenwillig rau und karg ist der Stil der Schweizer Autorin und Umweltwissenschafterin Anna Stern (eigentlich Anna Bischofberger, Jahrgang 1990) in ihrem dritten Roman, "Wild wie die Wellen des Meeres". Karg wie die oft verschwommenen Fotos, die (neben Tagebucheinträgen und Songtexten) immer wieder zwischen die Zeilen montiert sind - und wie der Kellerraum, in dem ihre Protagonistin Ava einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat. "Manchmal hat Ava Angst, oft schläft sie schlecht. Niemand weiß, was mit ihren Augen ist."

Als Ava fünf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie solle ihren Erinnerungen nicht trauen, rät César, ihr Vater. Später kommt sie zu einer Pflegefamilie, verliebt sich in Paul, deren Sohn, zieht mit ihm auf die Schweizer Seite des Bodensees, studiert Biologie - Vögel sind ihr Fokus - und hadert als Praktikantin im rauen Nordwesten Schottlands mit ihrer Schwangerschaft.

Paul Faber, von Beruf Polizist, kämpft auch dort weiter um ihre Liebe. Der Erzählstrang, der Avas und Pauls Geschichte in der Gegenwart erzählt, wechselt sich ab mit Rückblicken, die immer weiter in die Vergangenheit reichen und die Ursachen für Avas Rückzüge vor anderen Menschen aufdecken.

Wer Anna Sterns vorherige Romane, "Der Gutachter" (2016) und "Schneestill" (2014), gelesen hat, wird hier - neben Ava und Paul - auch noch andere schon bekannte Charaktere wiederfinden.