Der Autor des Romans "Am Ende ein Blick aufs Meer" tritt unter dem Namen Philipp Lyonel Russell an, wobei es sich, wie der Verlag vorsorglich einräumt, um ein Pseudonym handelt. Russell (Jg. 1958) stammt angeblich aus der englischen Grafschaft Suffolk und hat es inzwischen auf einen Lehrstuhl an der Universität Boston geschafft. Was und warum Russell dort lehrt, entzieht sich unserer Kenntnis, sodass wir auch misstrauisch sind, wenn uns als Zugabe noch verraten wird, dass er sich als "Mastermind der National Science Foundation einen Namen gemacht hat".

Da der Roman aber von einem nicht ganz unbekannten deutschen Schriftsteller, nämlich Christoph Hein, übersetzt wurde, dessen Name sogar den Buchumschlag ziert, hat es erste Mutmaßungen gegeben, dass Russell in Wirklichkeit Hein heißt, was immerhin möglich ist, vom Übersetzer C.H. allerdings, eher sanft, dementiert wurde.

Worin auch immer die Beweggründe für eine insgesamt entbehrliche Namensspielerei liegen mögen: Es ist ein Roman dabei herausgekommen, der, das darf vorab gesagt werden, nicht gerade überzeugt. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Frederick Bingo Mandeville (1880-1966), der als Autor "heiterer Gesellschaftsromane" erfolgreich ist und, schön für ihn, "zu Ansehen und Vermögen kommt".

Mandeville, der nur Bingo genannt wird, ist mit einem unerschütterlich sonnigen Gemüt ausgestattet, das früh auffällig wird und ansteckende Wirkung entfaltet: "Bingo weinte selten, strahlte jeden an, der sich über seine Wiege beugte oder sich zu ihm setzte, als er größer war, und verbreitete Heiterkeit und Wohlbehagen."

Er wächst zunächst einmal bei seinen Tanten auf, die sich, obwohl zu schlechter Laune durchaus befähigt, seinem Charme kaum entziehen können und ihn zum Dank mehr als großzügig füttern: "Bingo", auch "Gottes kleiner Sonnenstrahl" genannt, bekam "in den ersten beiden Lebensjahren täglich mindestens acht, meistens jedoch zehn Mahlzeiten serviert, und schon bald zeigten sich die Folgen dieser Zuneigung." Er "nahm rascher als die anderen Säuglinge an Gewicht zu, sein Babyspeck war beachtlich und lud erst recht zum Knuddeln ein (. . .)."

Als Bingo vier Jahre alt ist, wird erstmals Kritik an ihm geäußert, man nennt ihn einen "albernen Spaßvogel". Das aber erfreut ihn erst recht, und zwar nachhaltig: "Noch im hohen Alter erlaubte er es sich, gewichtige und von seiner Ehefrau und seinem Anwalt sorgsam und akkurat geprüfte Verträge nicht allein mit seinem Namen zu unterschreiben, sondern hinter sein Frederick Bingo Mandeville noch den Namenszusatz der Spaßvogel zu setzen. Aus dem Sonnenstrahl Gottes war der Spaßvogel geworden, und tatsächlich erreichte der Vierjährige, dass ihn ausnahmslos alle bei diesem Namen riefen."