Reinhard Wegerth war für mich immer die sehr österreichische Version eines Beat-Poeten, einer aus der Gilde der Kretafahrer, dessen liebevoll-ironische Miniaturen sich für ein formales Spektrum von Erzählung bis Comic Strip eignen.

Im vorliegenden Band schreibt er jedoch aus einer anderen Position. In 26 knappen Kapiteln berichtet er vom Sterben seiner Frau. Die weitgehend aus Substantiven gebildeten Überschriften betonen die Nähe zum Protokoll, das festhalten will, was nicht festgehalten werden kann. Im Gegensatz dazu erhalten die Verben durch konsequentes Umstellen der Syntax den prominenten ersten Platz in den Sätzen: "Sprach meine Frau dann nach den drei Zyklen, vor der abschließenden Computertomographie, erstmals vom Friedhof, auf dem sie einst liegen wolle. Sträubte sich in mir alles bei diesem Thema, hoffte, wir hätten noch mehr als genug Zeit, das zu besprechen."

Wegerth berichtet formal streng und inhaltlich auf die Entwicklung der Krankheit konzen-triert. Für üppige Beschreibungen ist in der immer enger werdenden Welt des Paares kein Platz mehr. Alltägliches wiederholt sich und ist vor dem Hintergrund der Diagnose dennoch nicht das Gleiche. Sprache und Tätigkeiten werden zu Ritualen, der Form des Handelns, die uns bleibt, wenn das Ich so erschüttert wird, dass es seine Selbstverständlichkeit verliert.

All das ist eingebettet in das geschäftige Treiben der Stadt, das der Autor wie aus den Augenwinkeln beobachtet. Der Leser findet sich als zufälliger Zeuge, der das Paar - "Ellenbogen eingehängt" - in der U-Bahn, im AKH, am Mühlwasser trifft und eingeladen ist, die kurzen Sequenzen im Kopf fortzuschreiben. Besseres kann einem mit Literatur nicht passieren.