Die Installation "Weinheber ausgehoben" am Schillerplatz in Wien: Der Sockel des Denkmals wurde ausgegraben. - © APAweb/APA/GEORG HOCHMUTH
Die Installation "Weinheber ausgehoben" am Schillerplatz in Wien: Der Sockel des Denkmals wurde ausgegraben. - © APAweb/APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Die jahrelange Debatte um das Denkmal für den österreichischen Dichter Josef Weinheber am Schillerplatz hat am 7. Juni mit der Eröffnung der permanenten Installation "Weinheber ausgehoben" ein Ende gefunden. Realisiert wurde die Umgestaltung von der Plattform Geschichtspolitik der Akademie der bildenden Künste in Kooperation mit "KÖR - Kunst im öffentlichen Raum" und der Stadt Wien.
Wie bereits im Jahr 2013 - damals allerdings ohne Bewilligung - wurde das unterirdische Fundament freigelegt, wodurch das Denkmal wie ein Fremdkörper in der nun entstandenen Mulde, die mit frischem Rasen ausgelegt wurde, wirkt. Martina Taig, Geschäftsführerin von "KÖR", unterstrich die Rolle des Vereins in der Aufgabe, den öffentlichen Raum als Ort für gesellschaftspolitische Debatten wiederzubeleben.
Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste, verwies in ihrer Rede auf zahlreiche weitere nach Weinheber benannte Orte, an denen eine Kontextualisierung noch ausstehe, so etwa die Josef-Weinheber-Brücke über die Autobahn A1 oder der Josef-Weinheber-Hof in Wien-Ottakring.

Die Autorin Marlene Streeruwitz fokussierte in ihrer Rede auf einen Satz Weinhebers aus dem Prolog zum 75-jährigen Jubiläum der Wiener Staatsoper am 23. Mai 1944: "Wir erleben den Tod als die Verklärung des Seins", schrieb er damals. "In diesem Satz legt uns Josef Weinheber die Kernthese der politisch theologischen Repräsentation des Nationalsozialismus vor", so Streeruwitz. "Ein solches Denkmal ist dann durch unsere Duldung festgemauerte Repräsentation davon, dass es keinen Konsens gibt, was ein Verbrechen ist und was nicht. Es ist Repräsentation wiederum unserer Schande."

Weinhebers Rolle in der NS-Zeit

Die Rolle Josef Weinhebers (1892-1945) im Nationalsozialismus ist dabei durchaus differenziert zu sehen. Weinheber, der Stilrichtungen von der Romantik über den Expressionismus bis zur neuen Sachlichkeit integrierte und oft mit virtuos gehandhabten antiken Versmaßen verband, gilt bis heute als einer der bedeutendsten Dichter seiner Zeit. Sein Gedichtband "Wien wörtlich" reflektiert Wiener Befindlichkeiten im Dialekt und ist ein Modell für die Dichtung in Wiener Mundart, die nach 1945 modern wird. Weinhebers Themen umkreisen bereits in den 1920er Jahren den Tod als letzte und höchste Stufe des Lebens.

Weinheber war, Zeugnissen von Zeitgenossen zufolge, keineswegs ein begeisterter Nationalsozialist der ersten Stunde. So berichtet der antifaschistische Dichter Wilhelm Szabo, dass Weinheber gegen den "Anschluss" Österreichs war und schildert "fast leidenschaftliche Hassausbrüchen gegen die Nazis". Auch hat sich Weinheber erfolgreich für den von der Gestapo wegen "Verspottung des Führers" verhafteten sozialistischen Dichter Otto Basil eingesetzt. Weinheber, so Szabo, habe die "Verbindung von Kunst und Macht" abgelehnt, worauf sich auch die belegte Anekdote bezieht, er habe auf die Frage von Propagandaminister Joseph Goebbels, wie man den Dichtern am besten helfen könne, geantwortet: "In Ruah lossn!"

Fürsprecher Michael Häupl

Allerdings ist Weinheber selbst der Verbindung von Kunst und Macht in etlichen "Weihegedichten" für die Nationalsozialisten erlegen. Ob sie seiner Überzeugung entsprangen, oder ob der schwer alkoholkranke und an Depressionen leidende Dichter, dem die Nationalsozialisten eine bedeutende Rolle zugedacht hatten und deshalb besondere Aufmerksamkeit widmeten, Konflikte mit der Obrigkeit vermeiden wollte, wie sein ihn bewundernder englischer Kollege Wystan Hugh Auden in einer Ode vermutete, ist schwer zu entscheiden.

Für Weinheber spricht nicht zuletzt, dass im September 2010 der damalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der in Weinhebers Geburtsbezirk Ottakring lebt, sagte, wer Ottakring verstehen wolle, müsse auch Weinheber gelesen haben.

Weinheber beging am 8. April 1945 mit einer Überdosis Morphium Suizid. (apa/eb)