Dagegen verknüpft Mizuki die realistische Erzählung der Geschichte mit der Groteske, die sich außer in den von Ordnungswahn beherrschten Choreografien der Massenauftritte in den Gesichtern der Figuren abwechslungsreich gebärdet. Das gilt noch in stärkerem Maße für seinen Manga "Auf in den Heldentod!". Obwohl Mizuki seine Gesichter nahezu auf Punkt, Punkt, Komma, Strich reduziert, verfügt der Zeichner über ein schier unendliches Sortiment an Gesichtsausdrücken, in denen sich die Ereignisse um sie herum oftmals auf groteske Weise brechen.

Vom Paradies ins Jenseits

Sein großteils autobiografischer Comicroman spielt im Jahr 1943/44 auf der Insel Neubritannien, die heute zu Papua-Neuguinea gehört. An die 500 unerfahrene, junge Rekruten werden von einer paradiesischen Landschaft mit Palmen empfangen. "Ins Paradies wollte ich schon immer. . .", träumt einer der Soldaten vor sich hin. Doch so sehr sie von einer Idylle umhüllt sind, so sehr nähern sich die Soldaten mit jedem Schritt ihrem Jenseits.

Diese Diskrepanz zwischen Paradies und Jenseits zieht sich durch den gesamten Manga Mizukis. Sie korrespondiert ästhetisch mit den klaren Linien der Bilderzählung auf der einen und den an Sprühtechniken erinnernden Schraffierungen auf der anderen Seite. Bereits im Aufeinanderprallen dieser Widersprüche fliegen die Funken des Grotesken.

Mizukis Manga ist eine schonungslose Abrechnung mit einem fanatischen Militarismus. Von Baumstämmen erschlagen, von Krokodilen gefressen, vom Dengue-Fieber dahingerafft, die Soldaten sind verfügbares Material und "Verbrauchsgut wie Socken". Dramaturgisch ist "Auf in den Heldentod!" ein einziger Showdown, die Todesfälle, oft aus reiner Unachtsamkeit und gar nicht durch Kampfhandlungen, erfolgen im Rhythmus einer Fuge mit furiosem Finale. Furios in der Bedeutung von Raserei und Wahn.

Bis dahin lernen die Rekruten noch militärischen Gehorsam hautnah kennen, vor allem hagelt es Prügel und setzt es Watschen ins Gesicht. Sogar das Vergnügen, "zu den Nutten zu gehen", wird ihnen ohne Duldung einer Widerrede verordnet. Das "ehrlose Gewerbe" der kriegsdienstleistenden Sexarbeiterinnen wird denn auch zum Sinnbild des aufgezwungenen Heldentums: "Ich welke am Tag und blühe in der Nacht", das Lied der Ehrlosen begleitet als Soundtrack den Manga. Am Ende muss sich eine Truppe verbleibender Soldaten in einem Selbstmordkommando einem aussichtslosen Kampf stellen. Zufällig überleben sie, doch ein versprochener Heldentod ist unwiderruflich.

Monster und Geister

Wie sein Kollege Tezuka wird Mizuki in Japan verehrt, doch sind es vor allem seine Geschichten über Yôkai, Monster und Geister aus dem japanischen Volksglauben. Sein Antikriegsmanga ist den hemmungslos geopferten Soldaten gewidmet, als flammende Anklage bricht "die Wut ihrer Geister" (Mizuki) hervor. Unter der Antikriegsliteratur reiht sich Mizukis Manga an vorderster Reihe neben Nakazawas Hiroshima-Manga, Jacques Tardis Comics über den Ersten Weltkrieg oder Erich Maria Remarques Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" ein. "Das Militär", lässt der Autor den Militärarzt am Ende, bevor er sich selbst verzweifelt in den Tod stürzt, erkennen, "ist die schlimmste Krankheit der Menschheit!"