Der achtjährige Bell durchschaut sofort, was die Erwachsenen nicht erkennen. Das Wort Krach - Dank an die grandiose Übersetzerin Isabel Bogdan - hat nämlich zwei Bedeutungen: Lärm und Ärger. Und so scheitert das Projekt Landleben der Familie Bateman beinahe schon im ersten Sommer an einem sprachlichen Missverständnis.

Was die Städter nicht wissen: dass diese Arbeit dringlich, ohne Pause und nur an zwei Tagen im Jahr zu erledigen ist. Was die Landmenschen nicht wissen: dass die Städter das nicht wissen. Lärm ist für sie eine notwendige Begleiterscheinung der so notwendigen Arbeit, also hinzunehmen. Es sind die beiden jüngsten Kinder, die das schließlich unkompliziert (und unbemerkt) geradebiegen. Von da an wachsen alle zusammen. Aus dem "Londoner Vater" wird in Bells Schilderungen "Mr. Bateman".

Gardam schildert verschiedene Szenen aus der Sicht der beiden Jungen. Dabei lässt sie den Leser mit den Kinderaugen schauen - und hält sich auch sprachlich an die schlichte Form.

Alle Personen sind warmherzig und so klar gezeichnet wie die Landschaft. Und die ist eben manchmal einfach großartig. Zum Beispiel in jenem einen Winter: "Und dann passierten drei Dinge. Der Wind ließ nach, Bells rundes Gesicht tauchte grinsend über der Mauer auf, und plötzlich kam die Sonne heraus, sie strahlte und leuchtete unter der dunkelsten der traurigen Wolken hervor, um einen letzten Blick auf den kurzen, tristen Tag zu werfen. Lange gelbe Strahlen fielen über die Castledale, und über viele, viele Meilen hinweg glitzerte der Schnee wie eine Million Tonnen Diamanten. Die kleinen schwarzen Schneepfosten, mit denen die Wege markiert waren, staken daraus hervor wie Stacheldrahtstacheln mit blauen Schatten dahinter, so scharf wie mit dem Lineal gezogen."

Fehlen von Extremen

Dass Harry Bateman und Bell Teesdale Freunde fürs Leben werden, steht eigentlich von Anfang an fest. Was so pathetisch klingt, und was auch genug Potential für Heimatidylle und Kitsch bieten würde, wird in diesem Roman zum Glück ganz straight abgehandelt: ob es nun Gefahren sind, in die die Kinder durch ihre Neugier geraten, ob es amüsante Anekdoten sind, die eben genau das sind: amüsant, aber niemals Schenkelklopfer, - oder ob im Schlusskapitel ein Blick in die Zukunft geworfen wird. (Der Roman entstand 1981, somit ist die Aussicht auf ein Jahr 1999 nach der fiktiven großen Ölkrise etwas beklemmend - doch keinesfalls apokalyptisch.)

Manches ist düster, manches fröhlich - und das Fehlen von Ex-tremen bedeutet nicht notwendigerweise Langeweile. Im Gegenteil. Es ist eine kurzweilige, wunderbar zu lesende, typische Gardam-Geschichte. Bells Großvater bringt es auf den Punkt: "Es gibt Mittel und Wege, und manche Leute ticken anders als andere. Und vieles kann man nicht erklären."