Patti Smith ist ein Ausnahmetalent. Denn sie hat eindrucksvoll gezeigt, dass Gedichte und Gitarren, Lyrik und Rockmusik keinen Widerspruch bilden. Zwar mutierte seit der Krise der Musikindus-trie gefühlt jeder zweite Rockstar zum literarischen Autor, Smith aber war immer schon Dichterin: Sie kam von der Lyrik zur Rockmusik, nachdem sie sich in der New Yorker Untergrundszene durch vom Gitarristen Lenny Kaye begleitete Lesungen ihrer Gedichte einen Namen gemacht hatte. Bis heute folgten, parallel zu den wundervollen Platten, eigenständige Lyrikbände als auch Sammlungen ihrer Songtexte. Mit den zwei Memoirenbänden "Just Kids" (2010) und "M Train" (2015) legte Smith zuletzt auch beachtliche Prosabände vor.

Nun hat sie mit "Hingabe" ihren ersten fiktionalen Text geschrieben, eine Erzählung von rund 40 Seiten Länge. Im gleichnamigen Band nimmt die Erzählung die Rolle des Zentralstücks ein; umrahmt wird er von zwei kürzeren Essays: Im ersten und letzten Teil ihres literarischen Triptychons mischt Smith anlässlich einer Reise nach Paris melancholische Gedanken über Kunst, Musik, Film und Literatur mit ihren Erlebnissen während des Aufenthalts in der französischen Metropole.

Wie stets mutiert die Reise zur Spurensuche verstorbener Künstler und der für Smith offenkundig liebsten Beschäftigung: einsame Wanderungen auf Friedhöfen, auf der Suche nach den Gräbern der künstlerischen Vorbilder. Der Schriftsteller Patrick Modiano, die Philosophin Simone Weil, der Schriftsteller Albert Camus - sie und andere entpuppen sich als Inspiratoren für ihr Singen und Schreiben.

Eine ganze Reihe von Motiven aus diesen zwei Essays tauchen dann erneut in der Erzählung auf. Diese handelt von einer Waise und Eisläuferin, deren Passion es ist, ganz allein ihre Pirouetten zu drehen. Eines Tages wird sie von einem älteren Kunsthändler beobachtet und es entwickelt sich eine Affäre, die böse ausgeht. Die Geschichte an sich mag nicht spektakulär sein, das was Patti Smith daraus macht, ist es aber sehr wohl. "Hingabe" ist ein schmales Nebenwerk nur, eine essenzielle Lektüre stellt es dennoch dar.