"#Abi19 - nach uns die Nullen!" Es könnte so einfach sein: Erst Matura, dann noch einmal einen Sommer lang die Sau rauslassen, bevor man sich ins richtige (Arbeits-)Leben stürzt. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Und so findet sich Romy plötzlich auf einem Roadtrip mit ihrem ein Jahr älteren - und erfahreneren - Freund Julian, ihrem Jugendfreund Konrad, der das Abitur versemmelt hat, und der wildfremden Mitfahrerin Nele, die Julian via App aufgegabelt hat - mutmaßlich als Revanche, weil Romys Jugendfreund Konrad, der ihm suspekt ist, mit von der Partie ist. Und bald breitet sich das ganze Elend vor dem Leser aus: Vier junge Erwachsene, die keinen Plan vom Leben haben, auf der Suche nach sich selbst sind und jeder einen ordentlichen emotionalen Rucksack im Gepäck haben, fahren gemeinsam in einem Mercedes-Oldtimer von Stuttgart nach Lissabon.

Nun, wenn Romy ihren aktuellen und ihren Ex-Freund gleichzeitig mithat, kann das nicht gutgehen, denkt sich der Leser alsbald. Doch so einfach ist es nicht, denn die Wahrheit ist noch einmal ein Stück anders - und viel härter und brutaler, als man zuerst geglaubt hat. Adriana Popescu (über)zeichnet vier Lebensgeschichten, die es in sich haben, eine schräger und verkorkster als die andere. Und manche Irrationalität am Anfang, über die man zunächst nur den Kopf schütteln kann, erklärt sich ein paar hundert Seiten später. Am Ende ist man jedenfalls froh, wenn man selbst einst einfach die Matura geschafft und dann eine Ausbildung und einen Job und vielleicht auch die Liebe gefunden hat - und zwar ohne größere Komplikationen . . .

Adriana Popescu: Morgen irgendwo am Meer
cbj; 478 Seiten; 13,40 Euro