Oft flapsig formuliert und anspruchslos geschrieben, ohne erkennbaren Willen zu einem literarischen Sprachgebrauch, darf man Sophie von Maltzahns Roman "Liebe in Lourdes" wohl kaum dem Bereich der Literatur zurechnen. Dabei hätte man unglaublich viel aus dem Stoff machen können: Eine ob ihrer Kinderlosigkeit frustrierte Berliner Adelige Ende dreißig fährt mit der Pilgergruppe eines Ordens eine Woche nach Lourdes, dabei kranke und behinderte Kinder begleitend. Geheilt wird natürlich niemand, aber ein Wunder geschieht: Kassandra findet einen gleichfalls adeligen Partner und kehrt schwanger zurück.

Dieser Stoff dürfte insbesondere Leserinnen von Frauenmagazinen ansprechen: Die Autorin des Romans ist die Tochter eines alten ostdeutschen Adelsgeschlechts, das heutzutage Hochzeitsfeiern auf englischen Landgütern ausrichtet. Von ihren Lourdes-Pilgerschaften berichtete von Maltzahn bereits vor zehn Jahren in einer etwas naiv verfassten Reportage für "Die Zeit". Da sie zwischenzeitlich auch für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gearbeitet hat, darf sie freilich auf eine positive Rezension ihres Erzählwerks dort vertrauen, nicht zuletzt weil aristokratische Abkömmlinge in deren Journalistenstab überproportional vertreten sind.

"Liebe in Lourdes" allerdings strotzt nur so von Klischees und Plattitüden und liest sich stellenweise wie ein verzweifelter Versuch, durch gegenderte Sprache (so werden männliche Saalschwestern als "Saalschwesterx" bezeichnet) ein sonst nur Blogs oder Facebook-Posts lesendes Großstadt-Hipster-Publikum anzusprechen, für das die Aristokratie und der katholische Wunderheilungs-Humbug in Lourdes einen gewissen kitschigen Faszinationswert besitzen.

Aber auch für alle Leser, die das bizarre Treiben in Lourdes nicht kennen oder sich voyeuristisch für die sexuellen Eskapaden der nicht ganz so strenggläubigen Pilger interessieren, egal ob blaublütig oder nicht, ist dieser ansonsten missglückte Roman zumindest halbwegs geeignet.