- © Von Naturpuur, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72016314
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Sechs österreichische Teilnehmer werden bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur das Wettlesen im Klagenfurter ORF-Theater bestreiten, drei kommen aus der Schweiz, fünf aus Deutschland. Nicht nur sind die österreichischen Teilnehmer erstmals in der Mehrzahl, sondern auch das weibliche Geschlecht. Acht Autorinnen und sechs Autoren wurden von der Jury nominiert. Die österreichischen Autorinnen und Autoren sind Ines Birkhan, Birgit Birnbacher, Leander Fischer, Julia Jost, Lukas Meschik und Sarah Wipauer.

Birkhan sorgte schon mit ihrem Autorenvideo für Furore: Mit weißen Kontaktlinsen und blass geschminkt krächzt Ines Birkhan zu sphärischen Beats in ein Mikrofon. In ihrem Schreiben würde sie sich gerne dem "halluzinativen Realismus" zuordnen, ihr Stil orientiert sich an Mircea Cartarescu, aber auch an Kafka und E.T.A. Hoffmann.

Vielschreiber und Twitterer

Clemens Setz eröffnet die Tage der deutschsprachigen Literatur 2019. - © Suhrkamp, Max Zerrahn
Clemens Setz eröffnet die Tage der deutschsprachigen Literatur 2019. - © Suhrkamp, Max Zerrahn

Birgit Birnbacher liest einen Text, zu dem sie das Museum Arbeitswelt in Steyr inspiriert hat: "Es ist ein Text, den ich schon lange schreiben wollte, aber nicht unbedingt ein Lieblingstext von mir. Je öfter ich ihn lese, desto näher komme ich ihm."

Der 26-jährige Oberösterreicher Leander Fischer studiert literarisches Schreiben in Hildesheim, einen über 900 Seiten dicken Roman als Abschlussprojekt hat er schon fertig. Sein Beitrag für das Wettlesen in Klagenfurt soll eine Ahnung davon geben.

Die Kärntnerin Julia Jost reüssiert als Theaterregisseurin in Deutschland, nun kommt sie nach Klagenfurt mit einem Text, der sich ihrer Heimat widmet und im "rechtsnationalen Umfeld in Kärntner Tälern" spielt. Lukas Meschik kann mit den meisten Veröffentlichungen aufwarten: Vier Romane und einen Erzählband hat der Wiener bereits publiziert, im Sommer erscheint mit "Vaterbuch" seine neue Prosa. Daraus stammt auch jener Textauszug, den er in Klagenfurt lesen wird. Parallel arbeitete er immer auch an seiner Musik: "Es tut gut, dass die Musik etwas ist, was ich mit anderen mache. Sonst sitze ich ja immer allein zu Hause", sagt der 30-Jährige.

Sarah Wipauers Plattform ist Twitter. Dort veröffentlicht die 33-Jährige nicht nur literarische Splitter, sondern knüpft auch jene Netze, die sie nun zum Bachmann-Preis gebracht haben. Schließlich hat eine informelle Twitter-Anfrage des Jurors Klaus Kastberger dazu geführt, sich zu bewerben. Wipauer hat eindeutig die intensivste Beziehung zum Bachmannpreis: Seit Jahren verfolgt sie die Tage der deutschsprachigen Literatur. Mehr noch: Sie nimmt sich für die Tage extra Urlaub, um die Lesungen auf dem Bildschirm zu verfolgen. Den Twitter-Account, der sie letztendlich selbst zum Bachmannpreis bringen sollte, hat sie einst angelegt, um über das Wettlesen zu diskutieren.

Absurder Humor

Aus der Schweiz kommen Andrea Gerster, Tom Kummer und Silvia Tschui, aus Deutschland Martin Beyer, Yannic Han Biao Federer, Daniel Heitzler, Ronya Othmann und Katharina Schultens.

Der Organisator des Wettbewerbs, Horst Ebner, unterstreicht die große Bandbreite: "Das reicht von einer renommierten Autorin Jahrgang 1959 bis zum jüngsten Autor, der 1996 geboren und ein völlig unbeschriebenes Blatt ist."

Die Eröffnungsrede am Mittwochabend hält heuer Clemens J. Setz, sein letztes Buch "Der Trost runder Dinge" versammelt Erzählungen vom alltäglichen Schrecken. Auf Twitter sticht Setz als wohltuend absurder Humorlichtblick aus dem Empörungseinerlei hervor.

Neben der Rede zur Literatur steht am Mittwochabend die Auslosung der Lesereihenfolge im Mittelpunkt. Die Lesungen von Donnerstag bis Samstag werden wieder live in 3sat übertragen. Am Sonntag werden schließlich in der traditionellen Jurysitzung die Preisträger ermittelt. Vergeben werden der mit 25.000 Euro dotierte Bachmann-Preis der Stadt Klagenfurt und vier weitere Preise: der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro), der Kelag-Preis (10.000 Euro), der 3sat-Preis (7.500 Euro) und der BKS-Bank-Publikumspreis (7.000 Euro) mit dem Stadtschreiber-Stipendium (5.000 Euro).