Klagenfurt. Die "Klagenfurter Rede zur Literatur", heuer zum 20. Mal Bestandteil der Eröffnung der Tage der deutschsprachigen Literatur, hielt am Mittwochabend im ORF-Theater der 36-jährige Autor Clemens J. Setz. Der Grazer, der 2008 in Klagenfurt mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet wurde, verhandelte unter dem Titel "Kayfabe und Literatur" die Zusammenhänge von Wrestling, Literatur und Politik.

Zunächst musste der Autor jedoch in einer Vorbemerkung darauf verweisen, dass er seine Rede bereits im April abgeben musste, als die politische Landschaft in Österreich noch eine andere war. "Einige Stellen wurden von der Wirklichkeit überholt und sind nur mehr historisch zu lesen", schmunzelte Setz, bevor er mit seiner Rede anhob.

"Kayfabe" - was im Wrestling-Vokabular so viel bedeutet wie die Wahrung der vierten Wand - verdeutliche mehr als alle andere Begriffe, "worum es in den nächsten vier Tagen hier gehen wird", so der Autor. Das Wort sage mehr als andere über "das Geschichtenerzählen an sich und dessen Verhältnis zum persönlichen Alltag und zur politischen Realität und sogar mehr über die Rollenbilder, in die wir, vielleicht von übergeordneten Instanzen, schon seit der Geburt gezwungen wurden." Dieses Verschwimmen mit der zugedachten Rolle reiche vom Mythos des sich monatelang wegsperrenden Autors über Mitglieder von Boybands, die ihre Lebenspartner vor der Öffentlichkeit verheimlichen müssen, bis hin zum Cameo-Auftritts des damaligen FPÖ-Chefs Strache in einem Wahlkampf-Video.

In Richtung der Politik hatte Clemens J. Setz eine klare Botschaft: "Den Rechtsradikalen und Rechtspopulisten, die nun überall in Europa langsam ihre Faust um wichtige Institutionen zu schließen beginnen, kann man getrost die Mitteilung machen: Natürlich werdet ihr verschwinden." Und weiter: "Euer System ist ein geschlossenes, und wie alle geschlossenen Systeme erstickt es irgendwann an sich selbst, verirrt sich in den beschriebenen strange loops der Kayfabe und der Selbstverwechslung." Nachsatz: "Ihr wisst gar nicht mehr, wer euch schreibt."