Was Paare zu Paaren macht, deren Trennungsbereitschaft und Durchhaltevermögen sich in etwa die Waage halten, lässt sich oft nur in Rätselschrift beschreiben; man könnte, wenn einem diese Frage über Gebühr wichtig ist, die Paare selbst befragen, aber die wissen nicht wirklich Bescheid oder verweigern, vorsichtshalber, die Auskunft.

Vielleicht gerade deswegen haben Paartherapeuten, deren Qualifikation sich nicht jedermann erschließt, viel zu tun; allein kommt der Mensch, wenn ihn die Sorge um seine kostbare, vor allem nach innen gedämmte Persönlichkeit umtreibt, nicht mit sich klar, und im Zweier-, Dreier- oder Mehrfach-Verbund erst recht nicht.

Die angedeuteten Schwierigkeiten haben allerdings auch mit Einkommens- und Statusprivilegien zu tun. Und, nicht zuletzt: mit dem Alter: Wer, mit dem jungen (!) Goethe, von sich sagen kann: "Ich bin schon weit in Jahren vor", gehört zu der Klientel, die der Schweizer Autor Martin R. Dean (Jg. 1955) in seinem neuen Roman "Warum wir zusammen sind" versammelt. Paare mittleren Standes, die miteinander befreundet sind, was auch zu kleineren Boshaftigkeiten anspornt, treffen sich in einem ehemaligen Landhotel namens "Sanssouci", um sich an die guten alten Zeiten zu erinnern und neue Erfahrungen auszutauschen, die, kaum ausgesprochen, merklich zu altern beginnen.

Unmittelbare Not leidet keiner der Anwesenden, die respektablen Berufen nachgehen, in denen man aber nicht viel Spannenderes als anderswo erlebt; das Unergründliche im Menschsein verweigert sich konstant und vor allem so lange schon einer eingängigen Entschlüsselung. Ein Architekt ist dabei, eine Therapeutin, eine Fernsehmoderatorin, ein Medienwissenschafter sowie ein Bioingenieur, von dem in Zukunft, möglicherweise, noch am meisten zu erwarten ist.

Anatol, der "Sanssouci" einst gekauft hat, könnte als die eigentliche Hauptfigur im Reigen der Paare durchgehen: Er befasst sich mit zweifelhaften Projekten, war einst in überschaubarem Maße sexsüchtig und ist es, unter nunmehr erschwerten Umständen, immer noch. Seine manchmal sogar durchdachte Sprunghaftigkeit wirkt nicht unsympathisch; zudem hat er eine Einsicht parat, die auf fast alle Lebenslagen passt: "Wir gehen instabilen Zeiten entgegen".

Langer Marsch

Auf dem langen Marsch in eine vergänglichkeitsanfällige Zukunft, die sich, so lange es geht, bedeckt hält, wird er noch immer von seiner Frau Annette begleitet, der gelegentliche Verzweiflungsanmutungen allerdings nicht mehr fremd sind: "Ich bin eine verschrumpelte Kröte in den Wechseljahren, er ist ein weltoffener, unberechenbarer und verschwenderischer Idiot. Ja, Idiot! Weil er eigentlich nie etwas auf die Reihe bringt. Dieses Sanssouci. Als er fünfundvierzig geworden ist, bekam er auf einmal das Gefühl, dass ihm die Zukunft ausgeht. Also quasselte er mir nächtelang die Ohren voll von einem alten Hotel, wo man über die Zukunft nachdenken kann (. . .) Hätte er nicht so viel Geld, er wäre schon längst durchgedreht. Anatol ist ein spielendes Kind. Er braucht eine wie mich, ein Nachschattengewächs. Ich gedeihe gut neben ihm."