Währenddessen wird Miranda von einer Geschichte aus ihrer Vergangenheit eingeholt, bei der sich die Frage der Schuld oder Unschuld stellt. Auch daran nimmt Adam teil - und schlägt mitunter über die Stränge, indem er ungefragt hilft.

Doch er, der auf Moral und Wahrheitsfindung programmiert ist, kann sich dieser Maximen nicht erwehren. So auch seine Maschinenbrüder und -schwestern, die allesamt nach einem moralischen Dasein streben, nach und nach jedoch an der Amoralität der Welt scheitern und sich in Folge selbst deaktivieren. Maschineller Selbstmord sozusagen, in dem McEwans Humor, der stets auch mit einem Löffel Bitterkeit serviert wird, funkelt wie selten zuvor.

Ein weiterer Kunstkniff dieses Romans liegt darin, dass der englische Schriftsteller sein Science-Fiction-Szenario nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit verlegt, genauer gesagt in die 1980er Jahre. Diese allerdings gestaltet er genüsslich neu, ganz wie es ihm gefällt: Großbritan-nien hat soeben den Falklandkrieg verloren, Margaret Thatcher erleidet letztlich eine Niederlage, dank Alan Turing stehen selbstfahrende Autos und Handys bereits auf der Tagesordnung und die Beatles haben sich wiedervereint. Ihr neues Album "Love and Lemons" wird von der Kritik allerdings vernichtet, hatten doch die Pilzköpfe "der Verlockung und Übermacht eines achtzigköpfigen Symphonieorchesters nicht widerstehen können".

Details, die bei allem Humor auch Realitätsnähe vermitteln. Denn indem der Autor seine Roboter in einen zeitlichen Rahmen setzt, den der Leser kennt, wirken die Vorstellungswelten umso intensiver.

Urwesen Mensch

Die Fragen, die Ian McEwan in dem Buch stellt, gehen dem Urwesen des Menschlichen nach: Was macht uns aus? Was ist das Selbst? Und was haben wir nun wirklich, das eine Maschine nicht haben kann? Der Roman hat allerdings gewisse Schwierigkeiten, in die Gänge zu kommen. Es werden viele Fäden aufgenommen, zumal der Autor seine Fühler in viele verschiedene Richtungen ausstreckt. Dabei läuft er manchmal Gefahr, die Geschichte zu voll zu bepacken. Der Souveränität des Autors ist es jedoch zu verdanken, dass er diese Herausforderung meistert.

Am Ende aber findet man die McEwan’sche Genialität, wie man sie kennt, die sich stets im Ausloten der Grenzen zwischen dem Menschlichen und dessen Abgründen manifestiert. Ein literarischer Grenzgang, der allein deshalb schon lesenswert ist.