Auslöser für das Projekt des Grafikers und Zeichners Eickmeyer waren offenbar unauslöschliche Eindrücke aus der Kindheit, als sein Vater am frühen Morgen des 21. Juli 1969 "mich weckte und mich mit vor unseren Schwarz-Weiß-Fernseher holte": "Damals - mit fünf Jahren - sah ich nur zwei komisch gekleidete Männer auf unscharfen Fernsehbildern, die komisch hüpften."

Nun erfüllt sich der Zeichner einen Kindheitstraum: Die frühen Schwarz-Weiß-Bilder erscheinen in einem "modernen künstlerischen Look", die eingescannten Tuschzeichnungen sind durchgehend mit matt-gedämpften Farben koloriert. In knappen Bildern erzählt Eickmeyer mit historischer Präzision die Etappen der Raumfahrt vom Sputnikschock, der die USA zu einem Fortschritt in der Weltraumforschung anstachelte, über John F. Kennedys berühmten Aufruf im Jahr 1961, in dem er geschickt formulierte, "dass nicht nur ein Mann zum Mond fliegen wird, sondern unsere ganze Na- tion", bis hin zum Erfolg der Apollo 11.

Fiktionale Einschübe

Spannend sind dabei vor allem die Querverweise auf die historischen Ereignisse der 1960er Jahre, diesem Jahrzehnt, das sich zwischen Traum und Erschütterung bewegt: die Morde an den Hoffnungsträgern J. F. Kennedy, Robert F. Kennedy und Martin Luther King, und Bilder aus Vietnam, die eine weitere Schockwelle auslösen. Gekonnt setzt Eickmeyer die Geschichte aus Text- und Bildzitaten zusammen. Dazwischen finden sich gelegentlich fiktionale Einschübe, etwa wenn der Autor in Anspielung an Kennedys Affären Marilyn Monroe "Fly me to the moon" singen lässt.

Das "Aufgehen" des blauen Planeten Erde und die Entstehung des berühmten "Earthrise"-Fotos durch die Apollo-8-Mission 1968 sind Gegenstand dieses Panels in "Der zweite Mann". - © Abb.: Splitter Verlag
Das "Aufgehen" des blauen Planeten Erde und die Entstehung des berühmten "Earthrise"-Fotos durch die Apollo-8-Mission 1968 sind Gegenstand dieses Panels in "Der zweite Mann". - © Abb.: Splitter Verlag

Was das persönliche Porträt des zweiten Mannes auf dem Mond betrifft, ist der Comic zurückhaltend. Immerhin tritt Al-drin an einer Stelle an Neil Armstrong mit dem Vorschlag heran, dass er, Aldrin, wenn es soweit ist, doch als Erster den Mond betreten könnte. Dass die Entscheidung anders ausgefallen ist, ist bekannt. Doch nachlesen kann man ebenso, dass Aldrin die Rolle des zweiten Mannes alles andere als leichtgefallen ist.

Ob sich der nächste Band noch näher an die Persönlichkeit des Astronauten heranwagt, kann man nur mutmaßen. Der Titel des abschließenden Bandes, "Eine herrliche Einöde", gibt jedenfalls ein großartiges Zitat wieder: Mit "magnificent desolation" hat Al-drin, noch am Mond wandelnd, die karge Schönheit dieses treuen Begleiters der Erde beschrieben.