Die Autorin Johanna Adorján hat die besondere Gabe, die Dinge des Lebens auf ebenso unterhaltsam geistreiche wie unverschämt lustige Weise auf den Punkt zu bringen. So ein Talent ist natürlich wie gemacht für die journalistische Form der Kolumne. Nicht verwunderlich also, dass Adorjáns Kolumne "Männer" in der "Süddeutschen Zeitung" zum festen Bestandteil der Wochenendausgabe gehörte. Immer samstags beugte sich die Autorin über einen anderen Mann und kondensierte sein So-Sein in einem pointierten Text. In der Zeitung eine lange Spalte, im Buch drei knappe Seiten. Jetzt sind diese Kolumnen um elf Neuzugänge bereichert und mit dem vielsagenden Untertitel "Einige von vielen" versehen als Buch erschienen.

Den glorreichen Anfang macht der Regisseur Volker Schlöndorff, der sich in den Augen von Adorján nach allen Regeln der Kunst blamiert, ohne dabei rot zu werden. Anscheinend unvorbereitet moderiert er eine Lesung von Yasmina Reza, ohne dass ihm das peinlich wäre. Er ist nicht der erste Mann, dem man bei diesem Vergehen ertappt, doch ob es wirklich so ist, dass Frauen das nicht tun würden, wie Adorján kürzlich verkündete, bleibt ungewiss.

Wichtiger ist, wie Adorján in dieser ersten Geschichte, die den Band phänomenal einleitet, einen Ton setzt - den Adorján-Ton, der ein und denselben Satz vor Mitleid, Verachtung und Menschlichkeit strahlen lässt. Dabei ist es ganz egal, ob sie sich Berühmtheiten widmet wie Bernd Eichinger, Lothar Matthäus, Bill Clinton, Ryan Gosling oder Allerweltsmännern wie ihrem Tennislehrer, dem Arschloch Rolf, sonstigen Wichtigtuern und Taxifahrern. Männer, denen sie im Alltag, im Familienkreis, in ihrem Berufsfeld begegnet. Jede der insgesamt 67 Kolumnen ist lediglich mit dem Vornamen des jeweiligen Delinquenten überschrieben und holt ihn allein dadurch vom Sockel. Es sind Geschichten und Männer aus Adorjáns Leben, die sie persönlich kennenlernen durfte, ganz egal ob Salman Rushdie, ihr Yogalehrer oder ihr Urgroßvater.

"Ich liebe Männer", fühlt sie sich an einer Stelle bemüßigt zu sagen, dabei zweifelt man beim Lesen gar nicht daran. Oft spricht sie die Leser direkt an, was den Eindruck verstärkt, hier sitze einem jemand gegenüber und plaudere aus dem Leben, während man selbst sich vor Lachen verschluckt. Kurzum: Das Büchlein ist ein Muss und ein guter Einstieg, die Autorin Johanna Adorján zu entdecken, die vor zehn Jahren mit dem umwerfenden Roman "Eine exklusive Liebe" ihr Debüt über den Doppelselbstmord ihrer Großeltern schrieb. Die letzte Kolumne in ihrem neuen Buch ist mit "Johanna" überschrieben und erzählt davon, wie sie wohl wäre, wenn sie als Mann auf die Welt gekommen wäre. Das kann sie natürlich nicht wissen, findet so aber den idealen Ausstieg aus ihren Männergeschichten.