Es sind skurrile Typen, die Thomas Sautner in seinem neuen Roman "Großmutters Haus" zeichnet. Und nach 251 Seiten fragt man sich auch ein bisschen, was genau sie einem eigentlich sagen sollten: Malina, das Großstadtkind, das mitten im Zerbrechen einer Beziehung nach Jahrzehnten seine totgeschwiegene Oma besucht; besagte Oma, die mitten in der Einschicht nahe der Grenze in einem Waldhaus in Schönbrunner Gelb wohnt und dort ganz spezielle Joints herstellt; ihre Stammkunden/Liebhaber, die ein und aus gehen; der stumme Jakob, der nur via Notizzettel kommuniziert und eine ganz besondere Rolle einnimmt; der Graf, dem das Grundstück gehört, der sich aber benimmt, als gewähre ihm die Großmutter ihrerseits die Gnade, ihr das Haus vermieten zu dürfen.

Unterhaltsam ist es jedenfalls, wie Malina zunächst aus allen Wolken fällt ob ihrer unkonventionellen Oma und deren Wandlungsfähigkeit. Und wie sie sich bis zum Ende schwertut mit den diversen Situationen und auch mit sich selbst. Unterstützt freilich von ihrer Oma, die der Enkelin eine ganze Welt eröffnet, und zwar nicht nur mithilfe ihrer Selbstgedrehten. Dazu kommt Thomas Sautners durch seine Protagonistin erklärte Liebe zum Literarischen, die auch in seinem Buch in jedem Satz durchschlägt. Jedes Wort scheint wohlüberlegt, wo immer es angebracht und vertretbar schien, hat er die denkbar schönste Umschreibung herausgesucht anstatt des profanen Basalbegriffs, den er genauso gut hätte einsetzen können. So ist der Text für sich ein Kleinod, an dem man sich erfreuen kann.

Die Story selbst plätschert gemächlich dahin wie das dünne Rinnsal, das sich mitunter im Lehmboden von Großmutters Haus bildet, wenngleich vor allem Malina in ihrer Situationsüberforderung manchmal ein wenig gar verbohrt – und damit anstrengend – wirkt, sodass man sich schon fragt: Was hat sie jetzt schon wieder? Da schlägt vielleicht auch ein bisschen der männliche Standpunkt des Autors durch, wenn er sich vorstellt, welche Sorgen sich die Frauen so machen. Wobei das eben nur für die junge Protagonistin gilt – ihre Oma nämlich ist einfach nur cool und stets für einen kleinen Gag gut. So wie auch die Handvoll Nebenfiguren mit ihren kleinen Spleens, die Sautner, mit Liebe zum Detail überzeichnet hat. Dass er aus dem nördlichen Waldviertel stammt, tut dabei wohl seinen Teil dazu. Auch wenn man mit Klischees über besondere Menschenschläge vorsichtig sein sollte, findet man es zumindest in der Gegend wieder.

Thomas Sautner: Großmutters Haus
Picus; 251 Seiten; 22 Euro