Rom. Der 93-Jährige italienische Bestseller-Autor Andrea Camilleri starb am Mittwoch im Krankenhaus in Rom, wie die Gesundheitsbehörde der Stadt mitteilte. Camilleri ist vor allem für die Krimis mit Commissario Montalbano als Protagonist auch im deutschsprachigen Raum bekannt.

Bestsellerautor und kritische Stimme: Andrea Camilleri. - © Wikimedia Commons, Marco Tambara cc-by-3.0
Bestsellerautor und kritische Stimme: Andrea Camilleri. - © Wikimedia Commons, Marco Tambara cc-by-3.0

Bereits am 17. Juni war der Schriftsteller wegen eines Herzstillstands ins römische Krankenhaus "Santo Spirito" eingeliefert worden. Den Zustand des Sizilianers bezeichneten die Ärzte damals bereits als kritisch.

Camilleri gilt als kritische Stimme des Landes und warf auch in seinen Geschichten immer wieder ein Schlaglicht auf heikle Themen wie Korruption oder das organisierte Verbrechen. Er hat mehr als 100 Bücher geschrieben, schaffte aber erst mit fast 70 Jahren mit seinen Krimis um den schrulligen und gutmütigen Kommissar Salvo Montalbano als Protagonist den Durchbruch. Die Bücher wurden 1994 zuerst in Italien veröffentlicht und dann in 30 Sprachen übersetzt. Die Krimis waren auch Vorlage für eine erfolgreiche TV-Serie des italienischen Senders Rai.

Durchbruch erst mit 70 Jahren

Mehr als 20 Bücher mit Kommissar Montalbano hat Camilleri geschrieben. Dabei ergründete er stets die Tiefen der menschlichen Psyche, während die Idylle der sizilianischen Landschaft, die schrägen Kollegen des Commissario und die Sticheleien mit seiner Dauer-Verlobten Livia zu Merkmalen der Serie wurden. Genau wie die originelle Sprache des Kommissars, der Italienisch mit vielen sizilianischen Ausdrücken vermischte.

2006 hatte Camilleri dem sizilianischen Verleger Sellerio den Montalbano-Roman mit dem Ende der Serie überreicht und gebeten, die Geschichte erst nach seinem Tod zu veröffentlichen. "Da ich die Alzheimer-Krankheit befürchte, habe ich schon jetzt beschlossen, das Ende der Geschichte zu schreiben. Sie wird erst nach meinem Tod veröffentlicht", erklärte der Autor damals.

Erstes Werk wurde 14 Mal abgelehnt

Doch nicht immer war der verheiratete Vater von drei Töchtern und vierfache Großvater so erfolgreich. Lange führte er ein Leben im Schatten als unbekannter Lehrer und Drehbuchautor. 1942 begann der in Agrigent aufgewachsene Camilleri für Theater und Rundfunk als Regisseur zu arbeiten. Mit einer kurzen Unterbrechung unterrichtete er von 1958 bis 1970 an der römischen Filmakademie "Centro Sperimentale di Cinematografia". Von 1977 bis 1997 war er Professor an der Nationalakademie der Dramatischen Künste "Silvio D'Amico". Später arbeitete er vor allem als Theaterregisseur, TV-Produzent und Drehbuchautor, war an zahlreichen Krimiserien für das italienische Fernsehen beteiligt.

Sein erstes Werk "Il corso delle cose" ("Der Lauf der Dinge") wurde 1978 von 14 Verlagen abgelehnt. Danach veröffentlichte er bei einem kleinen lokalen Verlag historische Romane, jedoch ohne großen Erfolg. Im Jahr 1994 begann er die erfolgreiche Serie der Kriminalromane mit Commissario Montalbano als Protagonisten. Der Erfolg kam unerwartet, fast über Nacht mit seinem ersten Roman "La forma dell'acqua" ("Die Form des Wassers").

Das Erfolgsrezept der Krimi-Serie ist die Mischung aus tiefgründigen Handlungen, der Verwurzelung in Sizilien, der charismatischen Hauptfigur Montalbano und ein Hauch Gesellschaftskritik. Camilleri hat nie auf Kritik an der Politik verzichtet. So attackierte er zuletzt immer wieder den italienischen Innenminister Matteo Salvini wegen dessen Einwanderungspolitik.

Schrieb Bücher trotz Blindheit

Trotz seiner 93 Jahre und seiner Blindheit hat der am Mittwoch verstorbene italienische Autor Andrea Camilleri nie aufs Schreiben verzichtet. Wegen seiner Sehbehinderung diktierte er seine Romane einer Sekretärin. Für den 15. Juli plante er noch einen Theaterauftritt in den Ruinen der Thermen von Caracalla in Rom.

"Autodifesa di Caino" (Kains Selbstverteidigung) lautet der Titel des Theaterstücks, das der am 6. September 1925 im sizilianischen Küstenort Porto Empedocle geborene Camilleri aufführen wollte. Dabei hätte er selbst als Schauspieler auftreten können. "Könnte ich wählen, wie ich meine Karriere beenden will, würde ich am liebsten auf einem Platz Geschichten erzählen und am Schluss die Zuschauer um eine Münze bitten", erzählte Camilleri einmal. (apa, dpa)