Oben in einer Baumkrone sitzt ein Mann. Stundenlang. Er wirft Steine auf die Köpfe von Leuten, die ihn von dort herunterholen wollen. Ein Verrückter. Plötzlich brüllt er los: "Ich will eine F r a u! Ich will eine F r a u!" Nur diesen einen Satz. Immer wieder. Unaufhörlich. Unter dem Baum krümmt sich währenddessen der Bruder des Mannes, und beißt voller Verzweiflung in seinen Hut. Eine Szene aus Federico Fellinis Film "Amarcord".

Oben in einer Baumkrone sitzt ein Mann. Stundenlang. Um Punkt fünf schreit er dann los: "Ich will eine F r a u! Ich will eine F r a u!" Auf die Leute unter ihm, die interessiert hochstarren und ihn mit ihren Handys fotografieren, wirft er Steine. Aber die sind nur aus Pappe. Eine Szene aus Ursula Wiegeles Roman "Was Augen hat und Ohren".

Wer ist dieser Mann? Und wa-rum sitzt er auf diesem Baum und schreit dort denselben Satz wie der Verrückte im Film von Fellini? Der Mann ist 50, heißt Bogdan Marianescu, man darf ihn sich dunkelhaarig und sehr gutaussehend vorstellen, so wie Marcello Mastroianni.

Flucht vor der Securitate

Vor dem Sturz von Ceausescu war er Schauspieler am rumänischen Nationaltheater in Temeschwar, hat dort einst als Hamlet eine zu dicke Lippe riskiert, Kritik am Regime geübt, war deswegen ins Irrenhaus gesteckt worden, und ist darum schließlich vor der Securitate geflohen. 20 Jahre war er danach im Ausland, bevor er, abgebrannt, wieder nach Rumänien zurückkommt.

"Was haben Sie da gemacht?", fragt ihn der Oligarch Traian Voicu, ein ehemaliger Mitarbeiter der Securitate, als er Bogdan, der am Theater nicht mehr Fuß fassen kann, aber dringend Geld braucht, eine Rolle als Moderator in einer TV-Talk-Show bei seinem Privatsender anbietet. Bogdan antwortet so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, also ohne jede Unterwürfigkeit: "Ich war Berufsnomade in Österreich und Italien", in "verschiedenen Rollen", als "Lagerarbeiter, Antiquitätenhändler, Claqueur, Vorarbeiter in einer Fabrik für Spritzgusserzeugnisse, Koch, Inhaber eines Restaurants für Slow Food, Kulturarbeiter, Darsteller in einer Commedia-dell’Arte-Truppe".

Und Voicu, der wiederum jede Aufmüpfigkeit hasst, ganz besonders die von Bogdan, aber dessen großes Potential erkennt und sich zudem zufällig gerne Filme von "Fellini, Bertolucci, Pasolini, Zeffirelli, Antonioni" anschaut, sagt: ". . . deine italienische Zunge ist für mich interessant" - und engagiert ihn.