"Dies Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält. Und waltet erst bei uns das Gleichgewicht, so wird’s auch in der andern wieder licht" - diesen "Prolog zum 26. Februar 1862" hielt Friedrich Hebbel auf der Bühne des alten Opernhauses.

Der feierliche Anlass, zu dem der aus Wesselburen stammende Redner sprach, war die Jahresfeier des Februarpatents, das den Grundstein für Verfassung und Wahlen gelegt hatte. Es war einer der letzten Auftritte des gefeierten Autors der "Nibelungen" und der "Agnes Bernauer", eineinhalb Jahre später erschien der letale "Sichelwagen". Am 13. Dezember 1863 ereilte ihn der Tod, dessen Ursache dank Monika Zicklers monumentaler Biographie deutlich wird: Der Autor erlitt eine Lungenentzündung infolge Osteomalazie, einer heimtückischen Krankheit, welche das Skelett destabilisiert.

Am Sterbehaus in der Liechtensteinstraße 13 befindet sich heute eine Büste mit einer Erinnerungstafel. Neben der Skulptur am Burgtheater und einer Tafel in der Lenaugasse erinnern der Hebbelplatz und der Enghaus-Weg, der nach Hebbels Gattin Christine benannt ist, an das Künstlerehepaar. Die von Hebbel gern als "Engehausen" angeschriebene Gattin starb am 20. Juni 1910 und überlebte ihn um ein halbes Jahrhundert.

Klassische Bildung

Hebbel errang Ansehen, indem er klassische Stoffe wie "Gyges und sein Ring", "Judith" und die "Nibelungen"-Sage in drei Teilen bearbeitete und mit subtilen psychologischen Elementen versah. Um die Burgtheaterbühne musste er hart kämpfen. Ritzer analysiert das schwierige Verhältnis zum gut vernetzten Burgtheaterdirektor Laube. Erst nachdem sich ein Dutzend anderer Bühnen, darunter das Klagenfurter Landestheater, an die Trilogie herangewagt hatten, zog die "Burg" nach und brachte eine von Gabillon inszenierte Aufführung mit Christine Hebbel als Brünhilde.

Den Durchbruch erlebte das Drama erst postum, was der norddeutsche Autor geahnt hatte. Der 1813 geborene Selfmademan erlebte eine schwere Kindheit inmitten feuchter Räume im holsteinischen Wesselburen (Dithmarschen). Nach dem frühen Tod seines despotischen Vaters, eines Maurers, fand er Aufnahme im Haus eines Kirchspielvogtes.

Zwar musste der Vierzehnjährige als Laufbursche dienen, mit einem Schlafplatz unter der Treppe vorliebnehmen und dort neben dem Kutscher ruhen, doch ermöglichten ihm Schulbesuch und die Bi-bliothek seines Lehrherren, eine klassische Bildung zu erwerben. Nach teilweise erfolglosen Missionen in Hamburg, München, Paris und Neapel erfolgte der Durchbruch ab 1845 in Wien, wo Hebbel zunächst in der Josefstadt wohnte.