"Nennt mich Ismael. Ein paar Jahre ist’s her - unwichtig, wie lang genau -, da hatte ich wenig bis gar kein Geld im Beutel, und an Land reizte mich nichts Besonderes, und so dacht ich mir, ich wollt ein wenig herumsegeln und mir den wässerigen Teil der Welt besehen." Dies ist einer der berühmtesten Romananfänge der Weltliteratur, vor allem die ersten drei Worte. Damit setzt der Roman "Moby-Dick" des New Yorkers Herman Melville ein, eines Autors, der zu Lebzeiten kurz bekannt war und dann in ein Vergessen absank, aus dem er erst dreißig Jahre nach seinem Tod wieder auftauchte. Heute gilt er als einer der größten amerikanischen Romanciers.

Sein Vater Allan Melvill war als Kaufmann ein ökonomischer Luftikus, der Schulden mit Darlehen gegenfinanzierte. Als er fallierte und 1832 mit 50 Jahren starb, war Herman 13 Jahre alt. Seine Mutter, einer holländisch-calvinistischen Familie entstammend, hängte ein "e" an den Familiennamen an, vielleicht, um die vielen Schuldner in die Irre zu führen - was wenig nützte. Regelmäßig standen Lebensmittelhändler, Vermieter oder Schneider vor der Tür und trieben die Mutter mehrerer Kinder in die Depression.

Herman erhielt eine mittelmäßige Schulausbildung. Am 3. Jänner 1841 heuerte er das erste Mal auf einem Walfänger an, als einfacher Matrose. Er kehrte Anfang Oktober 1844 heim. Nach anderthalb Jahren an Bord, und das Leben an Bord eines Walfangschiffes war erbärmlich, war er auf einer Insel im Südpazifik desertiert, hatte sich mit einem Freund einige Wochen bei einem Eingeborenenstamm durchgeschlagen, dann auf einem Schiff der U.S. Navy angeheuert.

Er war ohne Ideen von der Zukunft aufgebrochen und mit Stoff für Bücher zurückgekehrt. Im Winter 1844 zog er nach New York und wanderte in der Anwaltskanzlei seiner zwei älteren Brüder von freiem Schreibtisch zu freiem Schreibtisch und schrieb an einem Buchmanuskript,
"Typee". Sein Debüt erschien 1846 in London und handelte von einem paradiesisch den Sinnen frönenden Leben auf einer Pazifikinsel. Im Mai 1846 starb der vielversprechendste Melville-Bruder, Gansevoort, und hinterließ familientypisch einen Berg an Schulden. Herman Melville, seit Mitte 1847 verheiratet, schrieb jetzt wie manisch.

Ein Jahr nach "Typee" erschien "Omoo", wieder dick und wieder über Abenteuer in der Ferne. Anschließend verfasste er innerhalb von zweieinhalb Jahren die Romane "Mardi", "Redburn" (ein Kommentar zur Sklaverei in den USA) sowie "White-Jacket" und die ersten Kapitel von "Moby-Dick". Die Bücher erhielten immer weniger Zuspruch und wucherten aus.