Ein Kritiker böse: "Verquaste Rhapsodie". Melville, aufs Land gezogen, in die Berkshires im Bundesstaat New York, weiterhin hoch verschuldet, steigerte sich in elaborierte Worträusche, in Kaskaden von Sätzen, voll offener und versteckter Anspielungen. Und er nahm ein Prinzip der literarischen Moderne vorweg, den Bewusstseinsstrom des Autors ohne Selbstzensur. Im Lauf von "Moby-Dick" multipliziert sich Ismael, der Ich-Erzähler, und berichtet allwissend von Dingen, die er gar nicht wissen kann.

In dem Roman mit 44 Charakteren plus vielen Namenlosen sucht Kapitän Ahab den weißen Wal, der ihm vor Jahren ein Bein abgerissen hatte. Er will ihn töten. Das Einbein Ahab, selbstmörderisch und charismatisch, reißt Schiff und Besatzung in den Untergang. Er changiert zwischen Vernunft und rasender Besessenheit: "All meine Mittel sind vernünftig, all meine Gründe und mein Zweck verrückt." Ahabs Welt ist gottlos und böse, Ahab ein Hexer. In dieser Allegorie geht es um Halt, schaurige Haltlosigkeit und Sinnsuche.

Prekäre Verhältnisse

Ahab zum Ersten Steuermann Starbuck: "Für mich ist dieser weiße Wal die Mauer, dicht vor mich hingestellt. Dahinter, denk ich manchmal, ist nichts mehr." Melville schuf mit diesem Roman, gigantisch in Umfang wie in Anspruch und stilistischer Könnerschaft, ein Kunstwerk, das immer wieder neu ausgedeutet worden ist. Im Oktober 1851, nach anderthalb Jahren Arbeit, erschien der Roman. In den nächsten vierzig Jahren sollte Melville in den USA daran 556,37 Dollar verdienen. Seine Verleger in New York und in London zögerten immer mehr, Bücher von ihm anzunehmen.

Nach "Moby-Dick" erschienen noch drei Romane. "Pierre: or, The Ambiguities" im August 1852. Das Werk wurde von der Kritik verrissen. John Updike meinte, das Buch habe "ständig Fieber". Die Kritikerin Elizabeth Hardwick im Jahr 2000: eine überdrehte Burleske, Seiten, die sich endlos hinziehen, mit unglaublichem Schwadronieren und Liebesszenen, die einer trägen, im Fenster lungernden Schaufensterpuppe kitschige Sätze in den Mund legen.

Die Lektüre mutet irr und wirr an. Es ist eine Art Éducation amoureuse in Form des damals gefragten Schauerromans. Man weiß aber nicht recht, ob es nicht zugleich eine Persiflage davon ist. "Israel Potter" wiederum handelt von einem alten Soldaten, der von seinem Land fallengelassen wird. Bei "The Confidence-Man" handelt es sich um ein "Maskenspiel". Es geht um Verstellung und Betrug an Bord eines Mississippi-Dampfers. 1856 erschienen unter dem Titel "The Piazza Tales" Erzählungen, die Melville für Magazine geschrieben hatte, darunter "Benito Cereno" und "Bartleby der Schreiber", die minimalistische Geschichte um Verweigerung ("Ich würde lieber nicht"), Trauma und Rückzug.

Damit war Melvilles Karriere als Erzähler vorbei. Er unternahm noch eine längere Reise durch Europa und Palästina. Aber er war müde, erschöpft, gelangweilt von sich und der Welt. Zurück in Amerika, versuchte er sich als Vortragsredner, aber scheiterte. Um die prekären Geldverhältnisse in den Griff zu bekommen, sprach er bei Politikern vor. Er träumte von einer Stelle im konsularischen Dienst in einer sonnigen Stadt im Ausland. Es wurde aber etwas anderes.