Vermont ist einer der weniger bekannten Bundesstaaten der USA. Als Reisender sieht man idyllische Landschaften mit vereinzelten Farmen, dazwischen kleine Dörfer mit hölzernen Kirchen, allgegenwärtige Stars and Stripes - amerikanische Provinz also, wie man sie aus Film und Fernsehen kennt. Die dominierende Farbe ist das Grün der saftigen Weiden und der endlos scheinenden Wälder. Diese Farbe war es auch, die dem Staat seinen Namen gab. Als erster Europäer kam 1647 der französische Forscher Samuel de Champlain in diese Gegend und nannte den Landstrich "les verts monts", die grünen Berge, aus dem sich Vermont entwickelte.

Fast dreihundert Jahre später ließ sich ein anderer bekannter Europäer in diesem Staat an der Grenze zu Kanada nieder, nämlich der deutsche Schriftsteller Carl Zuckmayer. Er konnte damals schon auf eine interessante Biographie zurückblicken: 1897 geboren, in Mainz aufgewachsen, im Ersten Weltkrieg Einsatz bei der Artillerie an der Westfront.

Noch während des Krieges veröffentlichte er Gedichte, 1920 wurde in Berlin sein erstes Theaterstück aufgeführt, allerdings nach drei Aufführungen schon wieder vom Spielplan abgesetzt. Danach erlebte Zuckmayer einige turbulente Jahre, in denen er sich als Sänger in Lokalen und mit Gelegenheitsarbeiten durchschlug, die oft an der Grenze zur Illegalität waren oder diese manchmal auch überschritten.

Nach Aufenthalten in Kiel und München kehrte Zuckmayer nach Berlin zurück, wo er als Dramaturg am Deutschen Theater zu arbeiten begann. Zuckmayer engagierte die junge Wienerin Alice von Herdan als Sekretärin, das berufliche Verhältnis wurde bald zu einem privaten und 1925 heirateten die beiden. Herdan brachte aus einer vorigen Beziehung eine Tochter namens Michaela mit, 1926 wurde eine gemeinsame Tochter geboren, die den ungewöhnlichen Vornamen Winnetou erhielt.

Zu dieser Zeit konnte Zuckmayer nicht nur sein familiäres Glück genießen, ihm gelang mit der Komödie "Der fröhliche Weinberg" auch der berufliche Durchbruch. Er schrieb weitere Stücke für das Theater, die zwar meist von den Kritikern verrissen wurden, aber großen Anklang beim Publikum fanden. Daneben arbeitete er für Filmproduktionen, unter anderem verfasste er das Drehbuch für den Film "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich. 1931 wurde schließlich "Der Hauptmann von Köpenick" zum ersten Mal aufgeführt. Das Stück war - auch in finanzieller Hinsicht - ein großer Erfolg und machte Zuckmayer endgültig zu einer fixen Größe im künstlerischen Betrieb seiner Zeit.