Drago Jančar thematisiert in seinem neuen Roman "Wenn die Liebe ruht" das Leid der slowenischen Grenzlandbevölkerung in der NS-Ära und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Nach der deutschen Okkupation ab 1941, die von einem größeren Teil der Bevölkerung zunächst begrüßt, ja als mögliche Restauration der "alten", österreichischen Südsteiermark eingestuft wurde, entwickelten die NS-Machthaber gegenüber dem sich intensivierenden Partisanenkrieg ein wahres Schreckensregime, dem unzählige Unschuldige zu Opfer fielen. Junge Männer wurden zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen, andere gingen in die Wälder rund um den Marburger Hausberg Pohorje, um sich dem Widerstand anzuschließen und ihre Heimat von den Besatzern zu befreien.

Zwischen die Fronten gerieten insbesondere jene Bauern in ihren einsamen Grenzlandgehöften, die den Partisanen unter Druck oder aus menschlicher Solidarität Unterschlupf gewährten, dafür bei deutschen Strafaktionen mit dem Leben bezahlten, und deren Hof ein Raub der Flammen wurde. Weibliche Familienangehörige, die angeblich den "Banditen" geholfen hatten, landeten in unmenschlichen KZ, wie insbesondere dem Frauenlager Ravensbrück, oder wurden zu Bordelldiensten deportiert.

Perversion des Krieges

Ein derartiges Schicksal weist der Autor der Romanfigur Sonja, einer unschuldigen Arzttochter und Medizinstudentin in Graz zu, die ihren slowenischen Freund Valentin aus dem Folterkeller der Gestapo retten will und dafür zunächst bei einem SS-Offizier den hohen Preis des körperlichen Missbrauchs zahlen muss, ehe sie nach Rückkehr des Freigelassenen in die Partisanentruppe in eines der "Lager-Nord" deportiert wird.

Die Perversion des Krieges und das gegenseitige Misstrauen innerhalb der Bevölkerungsgruppen brachten es mit sich, dass auch nach 1945 kein Ende des Mordens und Folterns eintrat. Nun drehten die Kommunisten und OZNA-Funktionäre (Titoistischer Geheimdienst, Anm.) den Spieß um: Geheimdienstoffiziere und Politkommissare aus allen Landesteilen verbreiteten im wieder erstandenen Jugoslawien Angst und Schrecken unter der Zivilbevölkerung. Wer im Verdacht stand, Kollaborateur oder gar Funktionär des NS-Regimes gewesen zu sein, wurde im Sammellager ternberg unter Prügeln und Zwangsarbeit für einen politischen Prozess "vorbereitet".

Nicht einmal jene Kämpfer blieben vor "Säuberungen" verschont, die ihr Leben in den Wäldern riskiert hatten. Oft genügte ein Amulett oder Heiligenbildchen, wie es die ortsansässigen Bauernburschen zu ihrer Firmung erhielten, um in den Verdacht antikommunistischer Agitation zu geraten.