Nein, es steht nicht gut um David Bauer. Seine Freundin hat ihn, den idealistisch Angehauchten, verlassen, sein sympathischer Chef, der Besitzer eines kleinen Antiquariats, ist gestorben, und seine Wohnung wurde ihm auch gerade gekündigt. Existenzielle Krisen also an allen Fronten - und David, ein Held der nicht unsympathischen aber unwackeren Sorte, sieht keine Chance, sein Leben nun "in völlig neue Bahnen zu lenken", sondern badet in Selbstmitleid. "Ich jedoch war nichts als ein Häufchen Elend, hatte nicht die leiseste Ahnung, wie es weitergehen sollte, beklagte mein Schicksal und gab aller Welt die Schuld an meiner ausweglosen Lage."

Aber dann, an seinem 41. Geburtstag, gibt es für den völlig verzweifelten David einen Lichtblick. Sein bester Freund, Robert, den er schon aus Internatstagen kennt, lädt ihn ins Restaurant ein und eröffnet ihm, dass er sich eine Auszeit nimmt, in einem Kloster im Fernen Osten, und er überlässt dem von Dankbarkeit überwältigten David kostenlos sein Haus. Und zwar für ein ganzes Jahr. Das sollte locker reichen, um wieder auf die Beine zu kommen, denkt sich David. Und genau das denkt sich auch der humanistisch gesinnte Leser, dem diese günstige Ausgangssituation gefällt.

Nur der Hundegeruch im Haus von Robert, der bei David unangenehme Erinnerungen an seine Kindheit auslöst, weckt schon bald Befürchtungen. Und auch das fehlende Feingefühl von David, der viele Möglichkeiten, sich im Villenviertel Freunde zu machen, total versemmelt, lässt schon früh Zweifel aufkommen, dass hier einem in jeder Hinsicht Abgehängten ein Aufstieg gelingt.

Aber, immerhin, zumindest zeitweise ist David reflektiert genug, um zu bemerken, dass er mit seinen verzweifelten Bemühungen, sich in seiner neuen Umgebung möglichst rasch als nützliches Mitglied der Gesellschaft - und dies, notabene, auch gleich an vorderster Front - einzufinden, sich nur selbst Schaden zufügt: "Und als wäre das nicht unsinnig genug gewesen, zog ich gleich nach einer ungeduldig hinuntergestürzten Tasse Kaffee los, um mich vollends zum Idioten zu machen."

Philosophisch grundiert

Man kann dieser Selbsteinschätzung nur zustimmen. Und sich besorgt fragen, ob sich daran noch etwas ändert. Manfred Koch, in Graz geborener und in Salzburg lebender Autor und Kolumnist, hält in seinem philosophisch grundierten Roman, der stilistisch Schnitzlers "Leutnant Gustl" und inhaltlich Filmen von Hitchcock Referenz erweist, bis zum Schluss alle Optionen offen. Schade. Wenn man das Buch nach der finalen Pointe zuschlägt, könnte man nämlich, genau dieser eiskalten Berechnung wegen, als Leser zur gleichen Einsicht kommen, wie der von vielen Enttäuschungen ernüchterte David: "Ich hätte es wissen müssen."