In Christian Moser-Sollmanns rasantem Trash-Roman "Blaue Schatten" torkelt ein nicht mehr ganz junger Barmann und Nebenerwerbsdealer durch die Wiener Schicki-Micki-Drogenszene und holt sich dabei so mache Schramme. Das schrill flackernde Stimmungsbild dieses Romans zeigt: Cool zu sein hat seinen Preis.

Tom lebt seinen Jugendtraum von der großen Freiheit - doch als er ins Visier der Kriminalpolizei gerät und auch sonst einiges schiefläuft, erkennt er, dass ein Leben abseits der biederen Konventionen ganz schön stressen kann. Auch hier gibt es Spielregeln, und Tom kämpft auf einmal nur noch darum, dran zu bleiben.

Erzählt wird seine Geschichte von der sporadisch auftauchenden Marlies, einer erfolgreichen und gutaussehenden Wirtschaftsjournalistin. Diese gönnt sich - sozusagen als Ausgleich für ihr langweiliges Dasein mit Mann und Kind - gelegentliche Tauchgänge in Toms halbseidene Parallelwelt. Dabei entwickelt sie zunehmend Gefühle für den Barkeeper und verliert darüber ihre journalistische Distanz.

Sie schildert Toms Innenleben so genau und detailreich, dass man sich manchmal fragt, ob das "Ich", über das man beim Lesen gelegentlich stolpert, nur unabsichtlich in den Text gerutscht ist. Die Erzählerin ist nicht greifbar, man erfährt nicht viel mehr, als dass sie einen knackigen Hintern hat und nicht verstehen mag, warum Tom auf ihre erotischen Reize nicht anspringt. Aus verletzter Eitelkeit sprießt allmählich Verliebtheit. Empfindungen schimmern nur schwach durch die Zeilen, aber das passt schon, denn zarte Gefühle haben in dieser Welt der "blauen Schatten" und brachialen Verletzungen sowieso keinen Platz. Bewusst greift der Autor auf das Stilmittel des Deftigen zurück und lässt die Repräsentanten der Szene ungeniert mit vollen Händen in die Klischeekiste fassen.

Ob "Bürgersöhne", "Währinger Bürgersgattinnen" oder "Bürgererben" - Tom urteilt über seine noble Kundschaft so mitleidlos wie plump. Ein bisschen erinnert der Roman an die Kitty-Muhr-Krimis von Manfred Rebhandl - welche allerdings, weil witziger, um einiges ausgefeilter sind. Ein Minuspunkt wird für die unerwarteten und teils grausamen sprachlichen Stilbrüche vergeben, die sich mitunter einschleichen. Oder wie sonst ist es zu nennen, wenn es mitten im ansonst konsequenten Wiener Jargon auf einmal "ab und an" heißt, oder Protagonist Tom "Pellkartoffeln" isst?

Eine Frage bleibt zum Schluss aber noch offen: Wie lautet die Mehrzahlform von "Bier" nun wirklich: Trank er 6 Bier oder 6 Biere? Zu viele sind es allemal.