Judith ist 52, Zahnärztin und Nymphomanin. Sie und ihr Mann Hovard, ein Psychiater, führen weitgehend getrennte Leben und haben schon lange keinen Sex mehr. Judith graut es vor seinem aus der Form geratenen, kraftlosen Körper. Lieber legt sie selbst Hand an sich oder wartet auf der norddeutschen Insel, auf der sie wohnen, bis einer der Bewohner oder ein Tourist in ihrer Praxis auftaucht und sie sich um mehr als um seine Zähne kümmern kann. Jetzt ist Winter und es herrscht, wie den Großteil des Jahres, Flaute. Ohne Hovards Vermögen könnten sie hier nicht leben, und nun treibt noch ein riesiger Eisberg auf das Haus am Watt zu.

Judith und ihre Liebhaber haben in Corinna T. Sievers’ drittem Roman ästhetisch bessere Zeiten gesehen. Um Männer jeden Alters verführen zu können, ist der mageren Judith fast jedes Mittel recht: "Faltenfrei gebotoxt, Haut über den Schädel gespannt, stecknadelkopfkleine Pupillen, helle, fast farblose Iris." Nun will sie zum ersten Mal ein ganzes Wochenende mit ihrer neuen Affäre Erik auswärts verbringen. Hovard weiß Bescheid. Er analysiert sie regelmäßig, scheinbar unbeteiligt und hat eine "geringgradige psychische Störung" diagnostiziert.

Das minutiös geplante Date läuft jedoch aus dem Ruder: "Nie zuvor wurde ich zurückgewiesen, und jetzt gleich durch ein Männerbündnis. Ich betrachte mich im Spiegel, die Vögelin im Schock, die Lehre aus der objektiven Schafhaftigkeit ihrer Lust in roten Lettern an den Spiegel geschrieben: Lass ab, lass ab, lass ab."

Wie kaum eine andere deutschsprachige Autorin schreibt Corinna T. Sievers tabulos, radikal und dabei selbstironisch über weibliches Begehren und Sex aus der Sicht von Frauen, über gelungene und misslungene Verführung.