Delia Owens, geboren in Georgia, lebt auf einer Ranch in Idaho. - © Hanser/Dawn Marie Tucker
Delia Owens, geboren in Georgia, lebt auf einer Ranch in Idaho. - © Hanser/Dawn Marie Tucker

Das Marschland North Carolinas ist ein unwirtliches, größtenteils unbewohntes Sumpfgebiet. Hier ist die Natur weitgehend intakt, die wenigen Menschen, die sich an den Rändern der Feuchtgebiete angesiedelt haben, leben vom Fischfang.

Inmitten dieser von Wasservögeln und Insekten durchzogenen Schwüle spielt die Geschichte von Kya, die auch das "Marschmädchen" genannt wird. Sie haust in ärmsten Verhältnissen, abgesondert vom sozialen Rückhalt der Dorfgemeinschaft. Die Familie ist desolat, und als die Mutter das Elend eines Tages nicht mehr (er-) tragen kann, geht sie einfach fort. Bald schon bröckeln auch Kyas Geschwister weg, und irgendwann verschwindet auch noch der Vater.

Kaum zehn Jahre alt, widersetzt sich Kya den behördlichen - ohnehin nicht besonders engagierten - Bemühungen um Fürsorge. Das Mädchen bleibt allein in ihrer Hütte. Ihre Gefährten sind fortan die Vögel, die Schmetterlinge, die Fische. "Kya erinnerte sich daran, dass Ma sie dauernd ermutigt hatte, die Marsch zu erkunden. ,Geh, so weit du kannst - bis dahin, wo die Flusskrebse singen.‘"

Delia Owens Roman ist keine Kaspar-Hauser-, sondern eine Coming-Of-Age-Geschichte. Wie die Sumpflandschaft gegen die Zivilisation, so setzt sich Kyas Intelligenz gegen alle Widrigkeiten durch. Das Mädchen verweigert sich der Opferrolle und bringt sich selbst das Lesen und Schreiben bei. Sie reift zu einer selbstbewussten Frau heran, die ihre eigenen Spielregeln schafft. Den Dorfbewohnern ist das freilich suspekt: Eine schöne junge Frau, ganz allein?

Geschickt webt die Autorin eine Kriminalgeschichte in die Handlung ein. Als der Dorfcasanova Chase Andrews eines Tages tot aufgefunden wird, ist allen Leuten sofort klar: Es war Mord. Und sie glauben auch von Anfang an zu wissen, wer den jungen Mann vom Aussichtsturm gestoßen hat: das geheimnisvolle Marschmädchen Kya . . .

Mit ihrem Debütroman "Der Gesang der Flusskrebse" hat die in Georgia geborene, namhafte Zoologin Delia Owen eine spannende Kriminalgeschichte geschrieben, vor allem aber ist das Buch eine wunderbare Hommage an die Natur.

Die Autorin lebt auf einer Ranch in Idaho. Der Schauplatz ihres Romans, das Marschland von North-Carolina, ist ihr aus Kindestagen vertraut - es war die Feriendestination der Familie.