Die Idee, die Welt wirklichkeitsgetreu abzubilden, existiert seit der Antike. Aristoteles beschrieb den Effekt der Camera obscura, wenn eine Szenerie durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum projiziert und dort auf der Rückwand seitenverkehrt abgebildet wird.

Seit es möglich ist, dieses Bild mit Hilfe geeigneter Apparaturen und Materialien längerfristig zu speichern - "festzuhalten", wie man noch heute sagt -, sprechen wir von Fotografie. Aus dem Griechischen stammend und aus den Worten photós (Licht) und graphein (Schreiben) zusammengesetzt, bedeutet der Begriff wortwörtlich "Schreiben mit Licht" und verdeutlicht notabene auch die erzählerische Wesensverwandtschaft von Wort und Bild.

Wie viele technologische Revolutionen kennt die Geschichte der Fotografie also mehrere Ursprünge und Vorläufer. Dass ihr Beginn historisch am Maler, Physiker und Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre festgemacht und mit dem 19. August 1839 datiert wird, ist rein faktisch betrachtet fragwürdig.

Elisabeth, Kaiserin von Österreich. 1860. - © Fotograf: Gebrüder Ludwig und Viktor Angerer, Copyright: ÖNB Bildarchiv/picturedesk.com
Elisabeth, Kaiserin von Österreich. 1860. - © Fotograf: Gebrüder Ludwig und Viktor Angerer, Copyright: ÖNB Bildarchiv/picturedesk.com

Und doch hat es seine Richtigkeit. Denn an diesem Tag stellte der Physiker François Arago der französischen Akademie der Wissenschaften Daguerres Verfahren der Fotografie, Daguerreotypie genannt, vor und empfahl dem Staat, die Rechte an dieser Erfindung zu kaufen und der Welt kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Regierung folgte seinem Rat, was nicht nur die Fotohistorikerin Monika Faber als "sehr vorausschauend" einstuft. Da Daguerre bis an sein Lebensende monatliche Zahlungen des Staates Frankreich erhielt, kann mit diesem 19. August 1839 zumindest der Anfang der professionellen Fotografie festgelegt werden.

Demzufolge ist die Fotografie jetzt 180 Jahre alt. Dieses Jubiläum wird auch in Österreich hinreichend gewürdigt. Das ist von zwingender Folgerichtigkeit, denn insbesondere Wien war stets ein fruchtbarer Boden für die Fotografie, die hier von ihren frühesten Anfängen an intensives Interesse hervorgerufen und Anhänger gefunden hat. Schon im Jänner 1839 hatte Kanzler Metternich durch einen Zeitungsartikel Wind von Daguerres Erfindung bekommen und sie kaufen wollen. Das klappte zwar nicht, aber der Physik- und Mathematikprofessor Andreas von Ettinghausen war in Paris bei der Versammlung der Akademie der Wissenschaften dabei und konnte sich ein genaues Bild von der Daguerreotypie machen. Bald wurde in Wien die Technologie verbessert: Der Mathematikprofessor Joseph Petzval und der Optiker Peter Friedrich Voigtländer entwickelten ein Objektiv, das 20 Mal lichtstärker als jenes Daguerres war und die elendslange Belichtungszeit drastisch senkte.