Georges Simenon begegnet man in Liège auf Schritt und Tritt. - © Office du Tourisme de Liège
Georges Simenon begegnet man in Liège auf Schritt und Tritt. - © Office du Tourisme de Liège

Vor dreißig Jahren, am 4. September 1989, verstarb er im schweizerischen Lausanne. Georges Simenon war ein Beobachter der Menschen, die in der Stadt lebten. Langsam schlenderte er in jungen Jahren durch die Quartiers (also die Stadtviertel) wie das nördlich des Zentrums gelegene Féronstrée oder Outremeuse; saß in Cafés; beobachtete aufmerksam die Bewohner. Auf den lokalen Märkten ging er einkaufen und sog den Flair der Stadt ein.

Diese Eindrücke hinterließen Spuren, die er später in seinen Romanen verarbeitete. Vielleicht entstand hier auch die wohl berühmteste Romanfigur, die die Literatur heute kennt: Kommissar Maigret. "Die Romane entstanden zwar in Frankreich, doch wie Simenon blieb auch Maigret im Herzen ein Lütticher", ist Philippe Walkier überzeugt, dem wir bei unserer Stadtbesichtigung begegnen. "Ja, er war eben ein Lütticher in Paris." Dessen Verbundenheit zur Stadt erkenne er nach wie vor beim Lesen seiner Bücher.

Nicht nur Lüttich, sondern auch die Frauen hatten es dem Schriftsteller zeitlebens angetan. In seinen Memoiren prahlte er darüber. Über 10.000 Frauen soll er "besessen" haben, wie seine von ihm seinerzeit getrennt lebende Frau unter dem Pseudonym Odile Dessane in einem Buch behauptet hatte.

Zentraler Ausgangspunkt jeder Stadtbesichtigung von Lüttich ist der Place Saint-Lambert. Bis zum Jahr 1774 thronte hier die gotische Kathedrale Saint-Lambert de Notre Dame. Sie wurde von Aufständischen im Zuge der Französischen Revolution geplündert und niedergebrannt; aufgebaut wurde sie danach jedoch nicht. An Bedeutung eingebüßt hat der Platz seither aber keineswegs. Er ist weiterhin beliebter Treffpunkt vor allem junger Menschen - und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Einzigartiger Ausblick

Nur wenige Gassen entfernt, in der Rue Léopold 18, liegt auch das Geburtshaus von Georges Simenon. Es ist ein mehrstöckiger Bau, an dem heute der Verkehr laut vorbeibraust. In der nahen Kirche Saint-Denis wurde er am 15. Februar 1903 getauft. In der Rue de la Violette steht etwa eine Statue, die ihn zeigt. Jeder, der neben ihr Platz nimmt, könne mit ihm heute noch "ins Gespräch" kommen, heißt es. Nicht nur diese - auch weitere Orte der Stadt erinnern an ihren bekanntesten Sohn. 23 Stationen sind heute durch einen eigenen Simenon-Weg miteinander verbunden. In knapp anderthalb Stunden sollten diese bewältigt werden können.

Exakt 374 Stufen sind es den Montagne de Bueren hinauf - vorbei an niedrigen Häusern mit dunklen und hellen Ziegelsteinfassaden. Im Jahr 1881 wurde diese "Freilufttreppe" eröffnet und verbindet seither das Stadtzentrum mit einer auf dem Berg gelegenen früheren Zitadelle, von der heute nur mehr Überreste stehen. Benannt sind die Stiegen nach Vincent van Bueren, der im 15. Jahrhundert mit seiner Armee die Stadt gegen den Herzog von Burgund erfolgreich verteidigt hat. Die Stiegen sollen als steinerner Zeuge an jene Soldaten erinnern, die in der Schlacht umkamen. Oben angekommen, wird der sportliche Besucher durch einen einzigartigen Ausblick auf die Stadt belohnt.