Es war an einem schönen Frühlingstag, als in einem verborgenen Dickicht im Wald dieser weltweit bekannte Star geboren wurde. Er stand wackelig auf seinen dünnen Beinchen, blickte erstaunt um sich, freute sich über die Liebkosungen und Küsse seiner Mutter. "Was für ein schönes Kind", rief eine vorbeifliegende Elster.

Die Rede ist vom Rehkitz Bambi, dessen Geschichte vom Wiener Felix Salten erfunden und das später durch die Verfilmung von Walt Disney weltweit bekannt wurde. Salten war einer der führenden Feuilletonisten seiner Zeit; neben seiner journalistischen Tätigkeit verfasste er zahlreiche Romane, Novellensammlungen, Theaterstücke und Drehbücher für Filme. Fast alles davon ist in Vergessenheit geraten, nur zwei Bücher haben überdauert und sind heute noch bekannt. Diese beiden Werke könnten aber gegensätzlicher nicht sein, ihre Protagonisten sind nämlich das niedliche Reh Bambi und die derbe Wiener Prostituierte Josefine Mutzenbacher.

Bleiben wir im Wald. Durch den Zeichentrickfilm von Walt Disney wird Bambi heute meist als Kinderbuch gesehen, doch in der zugrundeliegenden Fassung Saltens, die 1923 erstmals erschien, kommen viele existenzielle Themen zur Sprache. Es geht darin um Leben und Sterben, um Zusammenleben und Religion, und an manchen Stellen - etwa bei der Schilderung einer Treibjagd - werden Erinnerungen an die Blutbäder des damals erst kurz zurückliegenden Ersten Weltkrieges geweckt. Salten, der ein begeisterter Jäger war, schildert in seinem Buch die Tiere des Waldes als eine Ansammlung verschiedener Charaktere, denen nichts Menschliches fremd ist. Sie leben in einer Gemeinschaft, aber es gibt Romanzen und Eifersüchteleien, Streitigkeiten und Versöhnungen, im schlimmsten Fall sogar Mord, wenn etwa der Fuchs eine Ente tötet.

Bescheidenes Honorar

Dennoch folgt das Leben den Gesetzen der Natur, und so bilden die Tiere ein großes Ganzes. Der einzige wirkliche Störenfried ist der Mensch, der in Gestalt des Jägers auftritt und wie Gott nur als "Er" bezeichnet wird. Für die Tiere ist er furchteinflößend, denn anders als sie geht er aufrecht, sein Gesicht ist nackt und in seinen Armen trägt er ein todbringendes Gerät, mit dem er ihr Leben beenden kann.

Die tierische Geschichte verkaufte sich sehr gut, aber Salten hatte wenig vom späteren weltweiten Erfolg. Er trat die Rechte an dem Stoff für die bescheidene Summe von 1000 Dollar ab und konnte später gerade noch einmal 4000 Dollar lukrieren, indem er auf alle weiteren Rechte an Bildern und Merchandising verzichtete - ein Pappenstiel im Vergleich zu den Einnahmen, die Disney durch den Film machen konnte.