Wie aus dem von ihm intensiv beschworenen Londoner Nebel taucht die Gestalt des Schriftstellers Arthur Machen auf, erscheint für einen Moment in den deutschsprachigen Buchhandlungen, wird mit erstaunter Begeisterung wahrgenommen, taucht wieder in den Nebel ein, um dort zu verweilen und wieder aufzutauchen, mit erstaunter Begeisterung wahrgenommen zu werden und so weiter und so fort. So scheint es. Und überhaupt: Wie spricht man diesen Namen aus? Mäckn? Mätschn?

Arthur Machen (1863-1947), mit richtigem Namen Arthur Llewellyn Jones, in Großbritannien längst zu den Penguin-Ehren gekommen, die Klassikern zustehen, hat es im deutschsprachigen Raum schwer. Auf ihm lastet das Verdikt des Genre-Autors: ein Schreiber von Gruselgeschichten. Wo sind die Zeiten hin, als ein deutschsprachiger Autor Serienkiller-Thriller schreiben konnte und dennoch zum Klassiker wurde, wie es E. T. A. Hoffmann schaffte? Und nebenbei: Wie ist es mit dem Teufelspakt, der das bedeutendste Drama der deutschsprachigen Literatur beherrscht, ohne dass der "Faust" zum Vorreiter von Stephen King würde? Gruseliges verarbeiten auch Theodor Storm und Hanns Henny Jahnn und Georg Heym - niemand würde ihnen die Bedeutung absprechen.

Borges hat ihn gerühmt

Erst nach 1945, scheint’s, darf man sich als deutschsprachiger Autor nicht mehr ans Unheimliche rühren. Da wird nur noch der nabelschauende Betroffenheitsrealismus ernst genommen. Und mit der den Deutschen nachgesagten Gründlichkeit weiten sie das Naserümpfen von der eigenen gleich auf die fremdsprachige Literatur aus. Gerade Edgar Allan Poe darf noch schauerlich sein, ohne dass man ihm die literarische Qualität abspricht. Aber wäre nicht H. C. Artmann als Übersetzer hinter dem ersten Band mit H.-P.-Lovecraft-Kurzgeschichten im Insel-Verlag gestanden, wäre wohl kein Deutschsprachiger auf den Erfinder von Cthulhu und Nyarlathotep aufmerksam geworden.

Apropos: Die Insel-Reihe "Die Bibliothek des Hauses Usher", herausgegeben vom estnischen Physiker und Phantastik-Experten Kalju Kirde, machte auf Autoren wie M. R. James, Jean Ray oder Stefan Grabinski aufmerksam - und im Jahr 1969 auf Arthur Machen. Womit Machen schon wieder ad acta gelegt ist, bis 1983 Jorge Luis Borges Machen-Kurzgeschichten in der Edition Weitbrecht mit einem Vorwort versieht.

Wieder verpufft die Wirkung.

Dann, endlich, folgt in den Jahren 1993/94 eine sechsbändige Ausgabe, glänzend übersetzt von Joachim Kalka. Nur versteckt sie der Piper-Verlag im unentschlossenen Ja-Aber von Taschenbuch-Einzelausgaben, als würde er sich genieren für den Autor, der, zugegebenermaßen, als Wanderschauspieler, Keltenkultadept und Magie-Anhänger im Hermetic-Order-of-the-Golden-Dawn-Kreis des späteren Obersatanisten Aleister Crowley ein arg bunter Vogel war. Aber dort verkehrte auch der Ire William Butler Yeats, Literaturnobelpreisträger des Jahres 1923.