Es klingt paradox. Da stellt sich ein Autor zuerst als Mensch voller Ängste vor, ja mehr noch, als Angsthase in fast allen Belangen. Dann schreibt er dennoch ein Buch mit dem ganz unverschämt vielversprechenden Titel "Wie wir die Angst vor der Angst verlieren - Furchtlos in 7 Tagen", in dem er, seriös wirkend, und gleichzeitig erfrischend ironisch, von seiner eigenen, einwöchigen Express-Konfrontationstherapie berichtet. Und am Schluss gesteht der Autor, den man sich also durchaus als Schelm vorstellen darf, wenn auch als einen mit guten Absichten, dass er seine, ihn während dieser sieben Tage - und durch viele aufschlussreiche, pointierte Dialoge - begleitende Angsttherapeutin, Frau Bürstner, nur erfunden hat.

Und, scheinbar schlimmer noch, er gesteht zuletzt auch den Fortbestand der Angst ein - und zwar in alle Ewigkeit: "Die Angst war immer da. Die Angst wird immer da sein" -, womit er, wenn man die ganze Sache ausreichend unklug betrachtet, als Autor eines Ratgebers für das extrem heikle Thema Angstbewältigung eigentlich einen saftigen Bauchfleck hingelegt hat.

Wenn man sich von dieser Unverfrorenheit aber nicht irritieren lässt, sondern stattdessen dieses kluge, auf Anhieb schwer auszulotende Buch noch einmal aufmerksam liest, dann kommt man zu einer völlig anderen Ansicht. Nämlich jener, dass diese fiktive Angsttherapie ein reales Wunder bewirkt hat. Weil in der jüngeren Vergangenheit kaum jemand ein mutigeres Buch über das Thema Angst geschrieben hat.

Obwohl vieles früher schamhaft Verschwiegene mittlerweile nahezu problemlos beredet werden kann, wie etwa das Sexuelle, ist es auch heute noch riskant, coram publico eine aufrichtige Inventur all seiner Ängste vorzunehmen. Jedenfalls dann, wenn zeitgenössische Tabuthemen dabei nicht nur flüchtig erwähnt, sondern frontal angesprochen werden: "Der öffentliche Raum ist ein Raum der Angst geworden, nur kann ich mit niemandem darüber reden, weil alle so tun, als wäre es nicht so schlimm. Für mich ist es schlimm. Die Angst ist mittlerweile mein ständiger Begleiter, wenn ich in der Stadt unterwegs bin."

Und es ist geradezu verwegen, wenn jemand nach einem derartigen Geständnis es wagt, auch noch konkrete Gründe für seine Empfindungen zu nennen, bevor er - gerade noch rechtzeitig, um einem Shitstorm zu entkommen - mit den Worten "Das sind übertriebene Ängste" daran erinnert, dass er als Missionar der Aufklärung unterwegs ist. Denn genau das ist Gregor Eisenhauer.