Iris Schiffer ist 38, von Beruf Mezzosopranistin und steht kurz vor dem künstlerischen Durchbruch, als sie unverhofft schwanger wird. Welcher ihrer Liebhaber der Vater ist, weiß sie nicht. In Frage kommen der Sänger Sergio, der Iris sehr liebt und der auch bereit wäre, Verantwortung für das Kind zu übernehmen, sowie der Politiker Ludwig, den Iris sehr liebt, der aber verheiratet ist und es auch bleiben will.

Ein Desaster? Vielleicht, aber zunächst überwiegt bei der Musikerin die Freude über das neue Leben, das in ihr heranwächst und vorerst noch keine Störgeräusche in die Komposition ihres privaten und beruflichen Werdegangs sendet.

Allerdings steht Iris eine aufwühlende und arbeitsintensive Zeit bevor: In der bevorstehenden Saison soll sie an der New Yorker Metropolitan Opera ihr Debüt geben, und zwar als Cherubino in Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro", und der berechnete Geburtstermin fällt mit einem Engagement bei den Salzburger Festspielen zusammen. Dort soll Iris die Sophie in Maws "Sophie’s Choice" singen - eine Rolle, die eine werdende Mutter nicht nur körperlich, sondern auch psychisch überfordern könnte.

Bei Iris steht also ebenfalls eine Entscheidung an, nämlich für Kind oder Karriere. Sie will beides und glaubt, es mit viel Disziplin auch als Alleinerzieherin schaffen zu können. Auf die sich bietenden Chancen möchte sie jedenfalls nicht verzichten: "New York war der Lift an der Spitze der Welt. Die Met, eine Zauberformel. Ein Saal, der viertausend Menschen fasste, der Großteil von ihnen verwöhnt und gewöhnt an die Besten, gerade daher erpicht auf Neues. Bestand sie hier, würde sie automatisch in den europäischen Opernolymp aufsteigen, sie bräuchte nicht einmal die Taste zu drücken."

Mit scharfer Beobachtungsgabe, fundiertem Hintergrundwissen und trockenem Humor begleitet die Autorin ihre Protagonistin durch die von Zwiespältigkeit geprägte Zeit. Denn einerseits möchte Iris der ganzen Welt von ihrem Mutterglück erzählen, andererseits will sie ihre Schwangerschaft geheim halten, damit ihr die zwei so wichtigen Opernrollen nicht entzogen werden.

Zudem wünscht sie sich, dass Ludwig der Vater ihres Kindes sei und ihr verlässlicher beistehen könnte, aber es bleibt nur bei geheimen Treffen: "Sie überlebte in den rudimentären Sätzen, die Ludwig und sie sich sandten; Elektronenspuren auf digitalem Glas. Ihr Stolz ließ nicht zu, dass sie ihm gestand, was sie quälte. Eine heimliche Schwangerschaft als Single-Mum, ich weiß nicht, wie ich das durchstehe. Während ich schufte wie niemals zuvor."

Immerhin erfahren die Leser von Iris und den umfassenden Einsichten, die sie in den Schwangerschaftsmonaten gewinnt. Und das ist ein Glücksfall, denn Andrea Grill erzählt in ihrem für den Deutschen Buchpreis 2019 nominierten Roman kurzweilig, unsentimental und nicht moralisierend davon, dass Emanzipation für Frauen noch immer eine schwierige Übung ist.