Ein kurzer Tweet mit dem Hashtag #KillTheRich stürzt die Welt ins Chaos. Überall begehrt das Volk plötzlich auf gegen die Reichen und Mächtigen; Staatschefs werden der Reihe nach ermordet. Mittendrin versuchen ein indischer Journalist und eine niederländische EU-Diplomatin, den Hintermännern einer globalen Verschwörung auf die Spur zu kommen und geraten selbst in Todesgefahr. Auch sonst wird es sehr heftig, wenn Lucas Fassnacht ein Szenario zeichnet, in dem Politik und Gesellschaft - und damit auch die Wirtschaft - über den Haufen geworfen werden.

Der Autor ist dabei ein Risiko eingegangen, weil er im Frühling einen Politroman geschrieben hat, in dem reale Personen - von Jair Bolsonaro über Wladimir Putin und Marine Le Pen bis Jean-Claude Juncker - vorkommen und fiktive Handlungen setzen. Dabei hätte sich bis zum jetzigen Erscheinen des Buches noch so manches ändern können am globalen Personalstand. So geht es sich zum Beispiel gerade noch aus, dass die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini im Amt ist (bis Ende Oktober). Der gehören übrigens - neben der Hauptfigur Conrada van Pauli, die auch gegen EU-interne Fallstricke kämpfen muss - sichtlich die meisten Sympathien des Autors, und auch die Italiener kommen gut weg. (Wer die Rolle der Bösen einnimmt, wird hier nicht verraten, um nicht zu spoilern).

 Auch was die Body Count unter den Spitzenpolitikern betrifft, die Fassnacht wie die Fliegen sterben lässt, so hat man schon ein bisschen das Gefühl, dass er hier die Opfer ein bisschen nach Sympathie ausgewählt hat. Doch ganz Schwarz-Weiß ist senie Welt dann auch wieder nicht, insbesondere unter den EU-Diplomaten, die unterschiedlichste Interessen abwägen müssen. Wie der Autor das beschreibt, gibt auch (authentische?) Einblicke ins Innere der EU-Institutionen. Aber das meiste spielt sich außerhalb Europas ab - und hier geht es wild und brutal zu. Dass Fassnacht 670 Seiten braucht, um die ganze Geschichte zu erzählen (dazu kommen 10 Seiten Nachwort und Glossar), ist in diesem Fall kein Nachteil, im Gegenteil hätte man gerne noch mehr davon, wenn man einmal auf seine Erzählung eingestiegen ist. Dass es am Ende bei der Auflösung dieses globalen Endzeitszenarios dann etwas kitschig wird, verzeiht man dem Autor.

Lucas Fassnacht: #KillTheRich

Blanvalet; 680 Seiten; 22,70 Euro