Es ist vollbracht: Ingar Johnsrud hat seine Trilogie um Hauptkommissar Fredrik Beier und dessen Kollegin Kafa Iqbal vollendet. "Der Verräter" bringt nun Licht ins Dunkel nach einem Massaker in einer Sekte ("Der Hirte") und einem verhinderten Anschlag ("Der Bote") - was freilich nicht heißt, dass die dort geknüpften komplexen Handlungssträngesofort entwirrt würden. Im Gegenteil knüpft der Autor erst einmal neue und fordert seine Leser damit ganz schön heraus, indem er Beiers Vater und Iqbals Sohn ins Spiel bringt. Und "die Organisation", die im Geheimen operiert und viel mehr über Beier und seine Familiengeschichte weiß, als er sich jemals vorzustellen vermag.

Dazu kommen politische Intrigen und verschiedene Morde, die alle irgendwie zusammenhängen. Und eine Leiche, die doch keine ist. Außerdem wird Beiers alter Kollege Franke Nore verhaftet, weil er Drogen aus der Asservatenkammer gestohlen hat. Auch er ist offenbar Teil einer großen Verschwörung, der Beier erst nach und nach auf die Spur kommt - beziehungsweise kommen soll, wie es scheint. Denn er wird förmlich hineingezogen und gerät auch selbst in Gefahr. Und als wäre das nicht schon genug, begegnet er auch wieder seiner alten Nemesis Staffan Häyhä, dem entstellten Söldner, der das Massaker auf Solro angerichtet hat.

Es wird also heftig, und es gibt auch mehrere unschuldige Opfer. Brutalität und Komplexität halten sich bei Johnsrud die Waage, was seinen Thriller selbst für norwegische Verhältnisse sehr anspruchsvoll macht. Und mit jeder Seite und jedem Ermittlungsschritt kommt Beier nicht der Lösung näher, sondern wird der Skandal, mit dem er konfrontiert ist, noch komplizierter, unüberschaubarer und größer. Da kann man schon als Leser schon einmal den Überblick verlieren. Aber ein kleiner Spoiler sei hier erlaubt: Am Ende löst sich alles gut auf.

Ingar Johnsrud: Der Verräter.
Blanvalet; 672 Seiten; 15,50 Euro