Joesi Prokopetz hat also ein neues Buch geschrieben. Diesmal enthält es viele kurze Glossen, in denen er über das Leben und seine vielen Facetten doziert, die man am besten mit Humor nimmt. Passend dazu erläutert er schon in der Einleitung den Unterschied zwischen Wuchtel und Pointe - und beendet sie auch mit Letzterer.

Danach erzählt er lustvoll verschiedene Geschichten, in denen er derben Humor mit feinsinniger Satire paart und durchaus intelligente Gedanken mit seinen Lesern teilt. Denn Prokopetz, der seit jeher für seine Texte dem Volk aufs Maul schaut und seziert, was da so alles herauskommt, kaut den Stoff nicht bloß wieder, sondern stellt seine eigenen Betrachtungen an und Theorien auf, mit denen er die Welt, wenn schon nicht erklärt, so doch zumindest anschaulich macht. Es sind dabei vor allem die kleinen Pointen, die besonders viel Spaß machen. Die im Grunde nicht viel mehr als ein verschmitztes Grinsen auslösen - das aber gleich haufenweise. Vor allem, weil er meistens recht hat mit seinen pointierten Feststellungen.

Natürlich gibt es auch bei Prokopetz grobe Wuchteln, aber die werden sehr sparsam eingesetzt. Dafür liest man gar nicht so selten tiefe Wahrheiten, die auf den ersten Blick gar nicht lustig sind und es auch auf den zweiten nicht werden. Die meint der Autor nämlich wirklich ernst. Denn, das unterscheidet den Kabarettisten vom Comedian: Er will nicht Lacher um jeden Preis generieren. Er will durchaus seine Ansichten dem Gegenüber aufs Aug drücken, auch wenn sie unangenehm sind. Da hilft es dann, sich einzureden, dass er doch eh ganz andere Typen meint und man sich nicht angesprochen fühlen muss, sondern ihm zustimmend beipflichten kann vom eigenen hohen Ross herab. Und wenn er ins Selbstironische abgleitet, grinst man umso schelmischer mit. Tja, wie heißt es so schön: Einbildung ist auch eine Form von Bildung.

Bei Prokopetz ist es hingegen echte Bildung oder zumindest Lebensweisheit, die er auf 207 Seiten ausbreitet. Wie er dabei über Mode, Schönheit, den Umgang mit Tieren oder den Heimatbegriff doziert (um nur einige von vielen Themen zu nennen, die er beackert), ist jedenfalls nicht nur höchst unterhaltsam, sondern auch sehr erhellend, wenn man es zulässt. Bevor Sie jetzt aber glauben, der Humor-Altmeister wäre auf seine alten Tage bierernst und bieder geworden, lassen Sie sich eines Besseren belehren: Er pflegt immer noch ein gerüttelt Maß an gewitzter Süffisanz und misanthropischer Querulanz, mit denen er seine Texte würzt. Wer an seinen bisherigen Bühnenprogrammen Spaß gehabt hat, wird jedenfalls auch mit der Lektüre von "Alltag ist nicht ein Tag im All" Freude haben.