Der Traum in uns" hat Norwegen seinen Gastland-Auftritt überschrieben. Es ist einem der bekanntesten Texte Norwegens entlehnt: "Das ist der Traum, den wir tragen, dass etwas Wunderbares geschieht", so beginnt Olav H. Hauges Gedicht. Etwas Wunderbares will das Land auch als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (16. bis 20. Oktober) geschehen lassen. Wunderlich genug: Kronprinzessin Mette-Marit reist mit einem "Literaturzug" quer durch Deutschland. An einer Station steigen Schulkinder zu, an einer anderen norwegische Schriftsteller. Zur Eröffnung am 15. Oktober soll der Zug in Frankfurt eintreffen.

Als Eröffnungsredner wurde der derzeit bekannteste und erfolgreichste Schriftsteller des Landes verpflichtet: Karl Ove Knausgard. Nicht minder spannend ist die zweite Rednerin, Erika Fatland. Die junge Frau spricht acht Sprachen, für ihre literarischen Reportagen reiste sie zum Beispiel einmal komplett um Russland herum. 100 norwegische Schriftsteller reisen anlässlich der Buchmesse nach Deutschland, darunter Schwergewichte wie Krimiautor Jo Nesbo, Maja Lunde ("Die Geschichte der Bienen") und Jostein Gaarder ("Sophies Welt"). Tomas Espedal, Karin Fossum, Roy Jacobsen, Lars Mytting, Per Petterson, Maria Parr, Simon Stranger - die Liste ist lang.

Halldor Gudmundsson hat bereits den Ehrengast-Auftritt Islands organisiert und damit 2011 die Herzen der Buchmessenbesucher erobert. Jetzt ist der Isländer für Norwegen im Einsatz. "Wir wollen unsere Geschichten, unsere Stimmen teilen und die Lust am Lesen befeuern", sagt Gudmundsson. "Und wir wollen für die Meinungsfreiheit kämpfen."

Das Begleitprogramm umfasst auch Ausstellungen, Theatervorstellungen, Konzerte und Kulinarik und reicht von Edvard Munch bis zum Rentiereintopf. Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zeigt ab 12. Oktober die Ausstellung "Edvard Munch, gesehen von Karl Ove Knausgard", in der Frankfurter Kunsthalle Schirn sind seit 26. September Werke der Textilkünstlerin Hannah Ryggen zu sehen, und das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt wird am 11. Oktober zum "House of Norway" und zeigt Design und Handwerk.

Film und Theater

Das Schauspiel Frankfurt hat drei Stücke norwegischer Autoren im Programm, dazu kommen zwei Gastspiele von Osloer Bühnen im Oktober. Das Filmmuseum in Frankfurt zeigt im Oktober Filme des für seine melancholischen Tragikomödien bekannten Regisseurs Bent Hamer, die Off-Bühne Mousonturm hat bei ihrem NORSK-Festival vom 15. bis 19. Oktober Musiker aller Stilrichtungen aus Norwegen zu Gast.

Die großen Preise werden bereits vorher verkündet: Nicht nur der traditionell am Vorabend der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse verliehene Deutsche Buchpreis, sondern auch gleich zwei Literaturnobelpreise (nämlich jene für 2018 und 2019) werden noch vor der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben. Das verspricht zusätzlichen Gesprächsstoff für die am 15. Oktober startende Bücherschau.

Rund 7500 Aussteller aus 150 Ländern werden bis 20. Oktober erwartet. Stärkere Präsenz als bisher soll das afrikanische Verlagswesen zeigen. Zu den internationalen Literaturstars, die erwartet werden, zählen Ken Follett, Margaret Atwood, Elif Shafak, Colson Whitehead, Mircea Cartarescu und Drago Jancar. Die Österreicherin Ursula Poznanski stellt die Fortsetzung von "Erebos" vor. Österreichische Autoren, die Messeauftritte absolvieren werden, sind etwa Norbert Gstrein, Raoul Schrott, Peter Keglevic, Thomas Stangl und Gertraud Klemm. "Wie ein Brennglas bündelt die Frankfurter Buchmesse die großen Themen der Gegenwart", betont Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Dazu zählen Klimawandel, Meinungsfreiheit, aber auch technische Neuerungen, die sich auf künftige Erzählformen auswirken. Man wolle "die nächste Welle der technischen Entwicklung" nicht nur darstellen, sondern aktiv mitgestalten.