Es war ein trauriger Jahresausklang für Filmfans: Als Ende 2018 ruchbar wurde, dass Wiens einzige Filmbuchhandlung, die Satyr Filmwelt in der Marc-Aurel-Straße, für immer ihre Pforten schließen würde, brach unter den Kunden und auch in den sozialen Medien der Katzenjammer los: Was die gut sortierte Buchhandlung zu einer wahren Fundgrube für die Fans der Laufbilder machte, soll plötzlich - nach mehr als 30 Jahren - unrentabel geworden sein?

Tatsächlich argumentierte man nach der Schließung dieser Special-Interest-Buchhandlung mit dem schwindenden Interesse der Kundschaft, mit den niedrigeren Einkaufspreisen der Konkurrenten bei Amazon und Co. sowie mit der Gewohnheit einer jungen Generation, die sich lieber auf Netflix mit Serien eindeckt, anstatt die großen Klassiker auf DVD zu kaufen und von dort weg zu lernen, wie das geht mit dem Filmemachen. Das traurige Fazit bei der Schließung: Das Bemühen von Vergleichen, dass es auch die einst über 1000 Videotheken von früher nicht mehr gäbe und dass Online-Händler eben unschlagbar wären. Schnell sind dann auch die apokalyptischen Thesen zum Ende des gedruckten Buches und der gedruckten Zeitschrift zur Stelle, denn die Welt wäre ohnehin nur mehr online ergründbar.

Gedruckter Luxus

Tatsache ist jedoch, dass sich die Art, wie heute Geschichten erzählt werden, nur unwesentlich von früher unterscheidet, nur die Verpackung und die Art der Konsumation sind neu. Dieser Erkenntnis folgt schließlich eine weitere: Die Zukunft für sehr schmale Nischenprodukte und -themen liegt in der Spezialisierung und vielleicht auch in der Verschmelzung der Orte, an denen das Thema konsumiert werden kann. Die Idee des Filmarchiv Austria, die Satyr Filmwelt wiederzueröffnen, und zwar in dem vom Filmarchiv betriebenen Wiener Metro Kinokulturhaus, ist ein logischer Schritt im Hinblick auf die Grundversorgung mit Kultur, zu der eben auch Film und Filmpublizistik gehören.

Jetzt ist es also so weit: Die Satyr Filmwelt feiert ihre triumphale Wiederauferstehung im Metrokino, am Mittwochabend (2. Oktober) wird sie eröffnet. "In der Johannesgasse wird eine der letzten cineastischen Oasen für Filmliteratur, Filmmedien und Spezialpublikationen nicht nur weiter bestehen, sondern auch - mit der von Architekt Gregor Eichinger entworfenen Shopeinrichtung - in neuem Glanz erstrahlen", verlautbart das Filmarchiv Austria. Zur Eröffnung fliegt man den in Paris lebenden und 1921 in Wien geborenen Autor und Film-Allrounder Georg Stefan Troller ein, der aus seinem neuen Buch "Liebe, Lust und Abenteuer" lesen wird, das von 97 Begegnungen mit großen Persönlichkeiten erzählt, darunter Muhammad Ali, Jean-Paul Sartre und Romy Schneider. Kino, Film, Buch, DVD und Lesungen - all das soll künftig im Metrokino zu der Einheit verschmelzen, die man online nirgends findet: Ein kuratiertes Angebot, in dem man sich frei durch alle Formen von Medien bewegen kann, in dem Entdeckungen möglich sind und in dem die Haptik der Medien im Vordergrund steht.