Literatur zur Trauerbewältigung: Lukas Meschik - © Lukas Dostal
Literatur zur Trauerbewältigung: Lukas Meschik - © Lukas Dostal

Wie kann man mit dem überraschenden Tod des Vaters umgehen? Dem Schriftsteller bieten Worte eine dankbare Möglichkeit, diesen schmerzhaften Verlust aufzuarbeiten.

Lukas Meschik hat genau das in seinem neuen Werk "Vaterbuch" getan. In zehn Abschnitten durchschreitet er die Phasen, die auf den jähen Tod des geliebten Vaters folgen, und schafft dabei ein Werk, in dem er nicht nur den Mensch, der sein Vater war und den er sichtlich bewunderte, nachzeichnet, sondern auch seinen ganz persönlichen Umgang mit der Situation. Vom Auffinden des leblosen Körpers über die Vorbereitungen des Begräbnisses, Besuche am Friedhof und die Zeit zwischen diesen Schritten, in der der Alltag unbarmherzig banal weitergeht.

Für den Leser stellt sich aber zuweilen eine gewisse Langatmigkeit ein, wenn Meschik etwa reihenweise Fotos seines Vaters beschreibt, eines nach dem anderen. Es sind sehr persönliche Erinnerungen und Gedanken, denen der Autor in seinem Buch nachhängt – abseits der Frage, ob andere damit unbedingt etwas anfangen können müssen. Denn es geht Lukas Meschik in diesem Buch ganz offensichtlich nicht darum, für jemand anderen als sich selbst zu schreiben.

Indem er dabei andere Schriftsteller zitiert (Franz Kafka, Karl Ove Knausgård, David Foster Wallace oder Peter Handke und dessen "Mutterbuch" "Wunschloses Unglück"), stellt er sich - bewusst oder unbewusst - in eine Linie mit diesen. Das erscheint zuweilen kokett, doch beugt der Autor einer potentiellen Kritik bereits vor, wenn er schreibt: "Mir dämmert, wie das Vaterbuch sein soll: möglichst plan und offen. Es soll ganz bei sich sein und ausblenden, was andere davon halten."

Es ist Literatur als Schmerzbewältigung, die sich nicht in erster Linie an eine Leserschaft wendet - und dennoch gibt es dabei immer wieder Sätze, die aufhorchen lassen, weil sie sich aus der Spirale des Schmerzes herausstrecken und zu anregenden Gedanken einladen, wie dieser: "Es gab eine Zeit, da habe ich alles gewusst. Dann, Buch für Buch, habe ich es wieder vergessen."