Noch bevor das Kind lesen kann, hat es die Reime der Kinderbücher verinnerlicht, lässt es die Lieder seiner Großmutter in sich nachklingen, die schlüpfrigen Gstanzln des Feuerwehrfestes oder - inzwischen ein Jugendlicher - den rauschhaften Sound von Deep Purples "Child in Time".

Es ist das Jahr 1970, der junge Josef Haslinger lebt in einem Zisterzienserinternat im Waldviertel sehr weit weg von den Umwälzungen dieser Zeit, doch diese ekstatischen zehn Minuten und siebzehn Sekunden katapultieren den ehemaligen Kirchenchorknaben "vom gregorianischen Choral zur Rockmusik, das war immerhin ein Sprung von tausend Jahren". Zu verdanken hat Haslinger dieses Erweckungserlebnis ausgerechnet einem rebellischen Frater aus Deutschland.

In sieben kurzen Texten erzählt der österreichische Schriftsteller und Essayist von den "Zumutungen des Jungseins" auf dem Dorf, in der strengen Zucht geistlicher Lehrer (deren sexuelle Übergriffe geduldet werden, solange niemand darüber spricht) oder dem Begräbnis der Eltern, von dem er spontan in Richtung Großbritannien ausreißt: minderjährig, mit wenig Geld und ohne Pass. Immerhin schafft er es bis an die belgische Küste.

Gepflegte Selbstironie schwingt als Grundton durch die Erinnerungsepisoden, moduliert mit der genau richtigen Prise Nostalgie. Das ist gut so; nur leider ist das Buch doch etwas dünn geraten. Mit den rätselhaften Fotografien von Maix Mayer kommt es auf etwas über hundert Seiten und wirkt wie eine Vorstufe zu umfassenderen Memoiren, die man gerne lesen würde.